Mittwoch, 10. Dezember 2014

Segen für die Advents- und Weihnachtszeit

(c) Robert fudilo - fotolia.com

Mögen lange Winterabende dir Ruhe und Einkehr schenken,
dich achtsam auf das leise Atmen der Welt lauschen lassen
und dein Herz für das zarte Geheimnis immer wiederkehrenden Lebens öffnen.

Mögen Nebel und Schneetreiben deine Augen nach innen lenken,
wo das Licht einer einzelnen Kerze sich spiegelt
und das wirklich Wichtige in ihren sanften Schein hüllt:
Das Staunen der Kinder, die Brücken der Versöhnung, das Heilige eines jeden Moments.

Mögen jeder auf Schnee knarrende Schritt und jeder freundliche Blick
dich an die vielen kleinen Dinge erinnern, die uns menschlich machen,
und die dich deine eigene Großartigkeit und Schwäche
ebenso wie die deines Nächsten umarmen lassen.

Möge der Frieden stiller Nächte dein Heim erfüllen
und dir Zeit schenken für tiefe Gedanken,
die dich nähren und auf deinem Weg weiterführen.

Mögest du ein Leuchten in der Dunkelheit erkennen,
ein Leuchten zwischen den Menschen, dessen Wärme jeden Frost überwindet
und das dich auch an jene denken lässt,
deren Leben weniger vom Glück beschienen ist als deines.

Mögest du Zeit haben für Erinnerungen an Momente,
die dein Innerstes angerührt und dir gezeigt haben,
dass auch die kleinste Geste einen großen Unterschied macht
und dass Hände dazu gemacht sind, sie einander zu reichen.

Möge die Schönheit des Raureifs am frühen Morgen
deine Augen für das Licht der wieder länger werdenden Tage öffnen
und deine Seele für das Wunder bereitmachen.

Mögest du das goldene Rund der Sonne begrüßen,
das die Vögel und Eichhörnchen hervorlockt,
deren scheinbar grundlose Freude am bloßen Sein
ein ganz eigenes Gebet zu singen vermag.

Möge der kalte Wind dir von seiner weiten Reise erzählen,
von den Menschen und Tieren, von den Bergen und Bäumen,
von den Flüssen, Meeren, Seen und Steinen,
deren Zuhause er ebenso wie deines berührt hat.

Möge dein Leben in diesen Tagen den Geist der wahren Weihnacht atmen,
ganz gleich, welcher Tradition du folgst oder welchen Glauben du teilst.
Möge dir mit jedem Atemzug bewusst werden,
dass das Göttliche in uns geboren werden möchte
und dass seine Geburtshelfer Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit sind.

© Dirk Grosser

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