Montag, 4. August 2014

Und wieder mal Watts ...

Es mag genügen, wenn wir sagen, die allgemeine, hinter Tao stehende Idee ist die von Wachstum und Bewegung. Es ist der Lauf der Natur, das Prinzip, das den Wechsel herbeiführt und regiert, der unablässige Fortgang des Lebens, das keinen Augenblick stillehält. Dem Taoismus gilt dasjenige, was absolut stillsteht oder absolut vollkommen ist, für absolut tot; denn ohne die Möglichkeit von Wachstum und Wechsel kann es kein Tao geben. In Wirklichkeit findet sich in der ganzen Welt nichts, was ganz vollkommen wäre oder völlig stillstände. Nur im menschlichen Denken sind solcherlei Vorstellungen aufgekommen, und es sind just jene Vorstellungen, die, nach der Lehre des Taoismus, dem menschlichen Elend zugrunde liegen. Denn der Mensch klammert sich an Dinge, in der eitlen Hoffnung, sie möchten unverändert und vollkommen bleiben; er mag sich mit dem tatsächlichen Wechsel nicht abfinden; er will dem Tao seinen Lauf nicht lassen.

Alan Watts, Vom Geist des Zen


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