Mittwoch, 17. Juli 2013

Buddha unter'm Baum

Vor ein paar Wochen habe ich hier mal eine Rezension zu Mark Colemans "Die Weisheit der Wildnis" versprochen. Hier ist sie nun endlich...


 
(c) styleuneed - fotolia.com
Obwohl wir Menschen ganz eindeutig Teil der Natur sind, findet unser Leben größtenteils getrennt von ihr statt. Wir wohnen und arbeiten in Häusern aus Beton und Stahl, trinken unseren Kaffee aus Plastikbechern, fahren Auto anstatt unsere Beine zu benutzen und schauen abends sinnentleerte Fernsehsendungen ohne auch nur einen Gedanken an das Wunder des Sternenhimmels, der draußen auf uns wartet, zu vergeuden. Und sogar wenn wir uns auf die Suche nach unserem wahren Selbst begeben, wenn wir entdecken wollen, wer wir wirklich sind, sitzen wir in Meditationsräumen und Seminarhäusern, die die Natur mehr oder weniger aussperren.

Doch können wir uns selbst entdecken, wenn wir das große Ganze um uns herum gar nicht wahrnehmen, gar nicht an uns heranlassen? Ist ein weiter Teil der momentanen Krise, in der sich die Menschheit befindet, nicht der Tatsache geschuldet, dass uns die Achtung und Wertschätzung für die Natur abhandengekommen ist?

Der Meditationslehrer und Outdoor-Coach Mark Coleman weist in seinem Buch „Die Weisheit der Wildnis“ darauf hin, dass meditative Wege eine lange Tradition der Naturverbundenheit besitzen. Er schreibt: „Die Natur kann uns aufwecken und verwandeln. Seit Jahrtausenden haben Mönche, Mystiker und andere Menschen in Wäldern, Wüsten und Bergen gelebt, meditiert oder Zuflucht gesucht. Sie ließen sich von der unübertrefflichen Stille und Weisheit der natürlichen Welt inspirieren und verinnerlichten die subtilen Lektionen der Natur: Freiheit, Klarheit und Mitgefühl.“
 

Auch der Buddha, dessen Lehren Mark Coleman in seinem Leben und seiner Arbeit zu verwirklichen sucht, fand seine Befreiung, während er unter einem Baum meditierte. Nach seiner Erleuchtung wanderte der Buddha umher und lehrte in Wäldern, Hainen und Wildparks. Vielleicht war es dieser stetige Kontakt zur Natur, der ihn erdete, ihn von metaphysischen Spekulationen abhielt und seine Lehre in eine pragmatische und auf das wirkliche Leben bezogene Richtung führte.

Wie gut täte es uns, uns auf gleiche Weise wieder dem Leben zuzuwenden! Der Kontakt zur Natur, die Liebe zur Erde – das sind die Heilmittel, die die Menschheit heute benötigt, um wieder auf einen heilsamen und zukunftsträchtigen Kurs zu gelangen. Mark Colemans Buch kann ein guter erster Schritt auf diesem langen Weg sein. Seine einfühlsamen Naturbeschreibungen und seine praktischen Meditationsanleitungen tragen den Titel „Die Weisheit der Wildnis“ zu Recht.

Die meditative Wahrnehmung der Natur, die er empfiehlt, lädt uns ein, unseren Blick auf das große Ganze zu richten, unsere innere Verbundenheit mit allen Wesen und Naturvorgängen zu erkennen und lässt uns letztlich vom Beobachter zum Teilnehmer werden.  Wir stimmen uns auf das Lied der Welt ein, verschmelzen mit ihr und entdecken unsere wahre Natur. Mark Coleman führt uns zu einem Innehalten, einer Besinnung auf das Wesentliche: Unsere ursprüngliche Ganzheit ist aufgehoben in der Welt der Natur und kann genau dort gefunden werden!
Ein lohnenswertes und sowohl praktisches wie auch poetisches Buch, dass die Achtsamkeitslehren des Buddha auf die Schönheit unserer Welt richtet und uns mit beidem verbindet.

Dirk Grosser


 





Mark Coleman
Die Weisheit der Wildnis
Selbsterkenntnis durch Achtsamkeit in der Natur
Arbor Verlag 2013
19,90 €





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