Freitag, 10. Mai 2013

Ryokan

Ryokan / Zeichnung von Kawai Gyokudo
Ein östlicher Wind
brachte den benötigten Regen,
die ganze Nacht
floss er in Strömen über das Strohdach,
während dieser Einsiedler
friedlich schlummerte,
ungestört vom Aufruhr
der fließenden Welt.

Grüne Berge baden im Sonnenaufgang,
Frühlingsvögel zwitschern in den Zweigen.
Ziellos spaziere ich durch die Pforte hinaus -
Bächlein fließen zu fernen Dörfern,
Liebliche Blumen schmücken die Berghänge.

Ich sehe einen alten Bauern,
der einen Ochsen führt,
und einen Jungen, der eine Hacke trägt.
Menschliche Wesen
müssen zu allen Jahreszeiten arbeiten,
von Sonnenaufgang bis -untergang.
Ich lebe hier in der Nähe meines Geburtsortes
und bin der einzige, der nichts zu tun hat.

Meister Ryokan (1758 - 1831)

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