Dienstag, 19. März 2013

Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn



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Gesunde Skepsis ist eine Tugend, die jeder guten Wissenschaft zu eigen ist: Unvoreingenommene Forschung, kritische Untersuchung und Prüfung der eigenen Ergebnisse, dazu eine schlüssige Beweisführung und eine Offenheit gegenüber eventuell auftretenden Anomalien, welche die Theorie nach und nach entweder untermauern oder aber entkräften – all das erwartet man von ernstzunehmender Naturwissenschaft. Ein nicht skeptischer, also dogmatischer Geist hat in den Wissenschaften keinen Platz. So sollte es zumindest sein.

Doch schaut der moderne Wissenschaftsbetrieb wirklich skeptisch und selbstkritisch auf seine ihm zugrundeliegenden Annahmen? Wird die materialistische Weltsicht, die sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelt hat, hinterfragt? Oder ist dies der „blinde Fleck“ der Wissenschaften, das eigene Dogma?

Rupert Sheldrake beschreibt diese materialistische Weltsicht in seinem neuen Buch „Der Wissenschaftswahn“ als etwas, das eigentlich keine überprüfbare wissenschaftliche Theorie darstellt, sondern eher als „Maschinenmetapher“ bezeichnet werden sollte. Eine bloße Metapher, die dazu dient, die komplexen Vorgänge der Welt in ein uns zugängliches Bild zu kleiden. Gleichzeitig macht Sheldrake überzeugend klar, dass dieses Bild, welches erstmals in Europa mit Denkern wie René Descartes entstand, aus heutiger Sicht nicht mehr treffend ist und darüber hinaus die moderne Forschung eher hemmt.
Das Bild der Welt als riesiges Uhrwerk, das nach ehernen Gesetzen funktioniert, ist längst überholt, liegt aber dennoch vielen Forschungszweigen zugrunde, die weiterhin darauf abzielen, dieses Uhrwerk in seine Einzelteile zu zerlegen und nutzbar zu machen. Dass bei diesem Versuch immer auch zerstörerische Tendenzen entstehen, ist wohl unbestritten.

Sheldrake beschreibt das Universum stattdessen als einen wachsenden und sich entwickelnden Organismus – auch dies eine Metapher, aber eine, die uns einen tieferen Blick schenken kann und im Eintauchen in die Geheimnisse des Lebens, welche auch unser Leben erfüllen, Ehrfurcht und Wertschätzung hervorruft und achtsames Handeln bewirkt. Wir stehen keinem Uhrwerk gegenüber, das wir von außen untersuchen, sondern betrachten als Organismus (Mensch) innerhalb eines größeren Organismus (Universum) diesen sozusagen von innen.

Ausgehend von dieser Weltsicht befasst sich Sheldrake in seinem faszinierenden Buch mit Fragen nach der eigentlichen Lebenskraft, nach dem Ursprung des Bewusstseins und der Ausrichtung der Evolution. Uneingeschränkt von jedweder Denkbarriere hinterfragt er Vorurteile zu unerklärlichen Phänomenen und zu alternativen Heilmethoden, entlarvt Schwindel und Täuschung im Wissenschaftsbetrieb sowie eine selektive Veröffentlichungspolitik seitens wissenschaftlicher Fachorgane, die uns einen mechanistischen Konsens nur vorgaukeln.

Ein Buch als Plädoyer für einen offenen Blick, wenn man so will für den wissenschaftlichen „Anfänger-Geist“ im Sinne des Zen, das eine Zukunft der Wissenschaften entwirft, die immaterielle Prozesse nicht mehr länger ignorieren kann, in Dialog mit den Weisheitstraditionen der Menschheit tritt und dem Leben dient. Es gibt viel zu entdecken…

Dirk Grosser










Der Wissenschaftswahn
Warum der Materialismus ausgedient hat


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