Freitag, 8. Februar 2013

An das Gute glauben…

Manchmal will man nur unterhalten werden und sich entspannen. Man schaut sich einen Film an, erwartet ein bisschen Humor oder Action und stellt sich innerlich auf sanfte Berieselung ein. Und ab und an passiert es dann, dass man überrascht wird, dass der Film doch – ob vom Regisseur gewollt oder nicht – noch eine andere Ebene anspricht und nachdenklich macht.

So ging es mir, als ich neulich Abend „Our Idiot Brother“ von Jesse Peretz in den DVD-Player legte. Eine kleine Independent-Komödie um den vermeintlichen Naivling Ned (absolut überzeugend und sympathisch gespielt von Paul Rudd), der unerschütterlich an das Gute im Menschen glaubt. Nachdem er einem Polizisten Gras verkauft hat, weil dieser ihm von seinem Stress berichtete, landet er erst einmal im Knast, wo er vor allem seinen Hund Willie Nelson vermisst. Wieder entlassen wohnt er dann abwechselnd bei seiner Mutter und seinen drei Schwestern, deren Leben bzw. Karrierestreben er unbeabsichtigt mit seiner schlichten Liebe zur Wahrheit torpediert. Beziehungen zerbrechen, Jobs erledigen sich von selbst – und mitten im Auge des Hurrikans findet Ned mit seiner Bereitschaft bedingungslos zu lieben eigentlich nur in seinem Hund ein entsprechend großherziges und passendes Gegenüber. 

Je länger man Ned zusieht, wie er versucht, sich durch eine Welt zu bewegen, die so ganz anders ist als sein eigener Charakter, desto mehr fragt man sich, wie zynisch eine Gesellschaft sein muss, in der derjenige, der an das Gute glaubt und für den Freundschaft, Verbundenheit, Wahrheit und Liebe die einzig echten Werte darstellen, als Idiot gilt… 

Ned hat keinerlei Interesse an Geld oder Karriere, er braucht kein Auto und kein repräsentatives Haus – er will eigentlich nur mit Willie Nelson herumtoben, mit seinem kleinen Neffen spielen, Gemüse anbauen und mit den Menschen zusammen sein, die er liebt. Er hat keine Begabung für soziale Lügen und er ist unverbesserlich davon überzeugt, dass ausnahmslos alle Menschen einen guten Kern haben und deshalb sein absolutes Vertrauen, sein offenes Ohr und seine helfende Hand verdient haben. 

Einiges, was er anpackt, geht gehörig schief und als Zuschauer kann man sich manchmal nur gemeinsam mit Neds Bewährungshelfer wundern – doch dann fragt man sich schon, warum unsere Welt so ist, wie sie ist, und warum wir Lügner und Schaumschläger hofieren, während wir über den Ehrlichen lachen.

Die Welt wäre sicher chaotischer, wenn mehr Menschen so wie Ned handelten, aber nach diesem Film werde ich das Gefühl nicht los, dass sie dennoch ein besserer Ort wäre. 





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