"Die Sterne erwecken ein bestimmtes Ehrfurchtsgefühl, weil sie, obwohl immer gegenwärtig, dennoch niemals erreichbar sind; aber alle natürlichen Dinge machen einen verwandten Eindruck, wenn der Geist ihren Einflüssen gegenüber offen ist. Die Natur tritt niemals unbedeutend in Erscheinung. Weder entreißt der weiseste Mensch ihr Geheimnis, noch verliert er seine Neugier dadurch, dass er ihre ganze Vollkommenheit erkennt. Die Natur wurde einem weisen Geiste noch niemals zum Spielzeug. (...)
Um die Wahrheit zu sagen, wenige Erwachsene können die Natur sehen. Die meisten sehen die Sonne nicht. Zumindest ist ihr Sehen sehr oberflächlich. Die Sonne bescheint nur das Auge des Mannes, aber in das Auge und das Herz des Kindes scheint sie hinein. Derjenige ist ein Naturliebhaber, dessen innere und äußere Sinne noch wahrhaft übereinstimmen; wer sich den Geist der Kindheit noch bis hinein in die Jahre des Mannesalters erhalten hat. Sein Verkehr mit dem Himmel und der Erde wird ein Teil seiner täglichen Nahrung. (...)
Auch streift der Mensch in den Wäldern seine Jahre ab wie die Schlange
ihre Haut und ist, in welchem Jahre seines Lebens er auch stehen mag,
doch immer ein Kind. In den Wäldern ist immerwährende Jugend. In diesen
Pflanzungen Gottes herrscht Würde und Heiligkeit, eine immerwährende
Festlichkeit wird bereitet, und kein Gast vermag zu erkennen, wie er in
tausend Jahren ihrer überdrüssig werden sollte."
Ralph Waldo Emerson, Natur (1849 erschienen)
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Freitag, 19. Oktober 2012
Gewaltfreie Ernährung
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1947 wird John Robbins in eine Familie hineingeboren, die eines der größten Unternehmen in der Eiskremindustrie besitzt – und der bereits erwähnte eiswaffelförmige Swimming-Pool im Hause seiner Eltern ist das Symbol der Versprechung und der Erwartung: All das wird einmal John Robbins gehören – ein milliardenschweres Unternehmen, aufgebaut aus süßem, leckeren Eis.
Doch der eher bittere Beigeschmack dieses Imperiums fällt Robbins früh auf. Die meisten Familienmitglieder haben massive Gewichtsprobleme, der Onkel und Geschäftspartner stirbt an einem Herzinfarkt, der Vater erkrankt an Diabetes und Bluthochdruck und auch John Robbins selbst ist als Kind mehr krank als gesund. Zudem kann er nicht die Augen vor dem unendlichen Leid verschließen, dem die größten „Zulieferer“ dieses Unternehmens, die Milchkühe, ausgesetzt sind. Er sucht nach einem tieferen Leben, nach einem sinnvollen Dasein im Einklang mit der Natur, den Menschen und den Tieren.
1987 schreibt Robbins sein erstes Buch, welches ein internationaler Bestseller wird: „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ nimmt viel vorweg, was heute bei Vegetariern und Veganern auf allgemeinen Anklang stößt. 1988 gründet Robbins EarthSave, eine gemeinnützige Organisation, die sich der Verbreitung von Informationen zu Gesundheit, Ernährung, nachhaltiger Landwirtschaft und ökologischen Alternativen verschrieben hat. Seitdem ist Robbins unermüdlich im Einsatz. Er schreibt Bücher (u.a. Food Revolution und Gesund bleiben bis 100) und hält Vorträge, immer mit der Maxime, eine gesunde Welt durch einen gesunden Lebensstil zu fördern.
Der „böse“ Bio-Garten
Gerade dieser Tage erscheint sein neuestes Buch „Letzter Ausweg vegan“, eine Sammlung von Essays und Blog-Beiträgen, deren Brisanz und Faktenlage einem den Atem stocken lässt.
Robbins berichtet aus seinem Heimatland, den USA – einem Land, in dem die Gattin des Präsidenten von der Lebensmittelindustrie scharf dafür angegangen wird, dass sie einen Bio-Garten angelegt hat und somit angeblich die „normale“ Landwirtschaft auf unfaire Weise diskriminiere. Ein Land, in dem der oberste Chef der Behörde für die Überwachung der Lebensmittelsicherheit, Michael R. Taylor, früher als Anwalt und Lobbyist für Monsanto gearbeitet hat, eines der Unternehmen, die mit genetisch verändertem Saatgut zugunsten des eigenen Gewinns eine ökologische Katastrophe heraufbeschwören. Ein Land, in dem Bio-Siegel an eben diese genetisch manipulierten oder auch bestrahlten Lebensmittel vergeben wird.
Nun könnte man versucht sein zu sagen, dass das eben Amerika sei und dass hierzulande doch alles viel harmloser aussehe. In manchen Fällen mag das stimmen, dennoch sind erschreckend viele Details, die Robbins benennt, auf Deutschland oder die Europäische Union insgesamt übertragbar. Wie viele Lebensmittelskandale haben wir in den letzten Jahren erlebt? Wie viele Gesetzeslücken werden von Regierungen geschaffen und welche Unternehmen, die diese Lücken geschickt ausnutzen, werden auch noch staatlich subventioniert? Und wie viele Politiker sitzen in Aufsichtsräten eher fragwürdiger Unternehmen und lassen sich für diese Tätigkeit fürstlich entlohnen?
Des einen Leid ist des anderen Fett
Amerikanische Verhältnisse sind nicht so weit entfernt, wie wir meinen, und die Bestrebungen, hierzulande ähnliche Voraussetzungen für den Anbau genmanipulierter Getreidesorten zu schaffen, wie es sie in den USA schon länger gibt, sind – ungeachtet der nicht einschätzbaren Risiken – in vollem Gange.
Andere Aspekte einer aus dem Gleichgewicht geratenen Lebensmittelproduktion sind weltweit in den Industrienationen üblich. Das unbeschreibliche Leid einer Massentierhaltung, die man in Amerika auch gern klinisch sauber „geschlossene Tierfütterungsoperation“ nennt, ist auch vor unserer Haustür das Gleiche.
Fastfood-Ketten überschwemmen uns und unsere Kinder mit Werbung für künstliche, geschmacksverstärkerverseuchte Produkte, die der Gesundheit alles andere als zuträglich sind. Im Juni 2012 meldete das Robert-Koch-Institut, dass mittlerweile mehr als 23 Prozent der Deutschen fettleibig sind. 1998 waren es nur 19 Prozent der Bevölkerung, so die Süddeutsche Zeitung vom 14. Juni 2012. Auch die Zahl der Zuckerkranken stieg in dieser Zeit um zwei Prozentpunkte auf 7 Prozent. Sollten wir uns da nicht selbst nach der Fürsorgepflicht für unsere Kinder fragen?!
Robbins schreibt: „Gerade die ungesündesten Lebensmittel sind überall und günstig erhältlich, weil unsere Lebensmittelpolitik immer sie, und nicht die gesunde Nahrung, subventioniert hat. Was aber – so sollten wir uns fragen – sind die wirklichen Kosten
dieses nur scheinbar so billigen Fastfoods? Das landwirtschaftliche System, das es erzeugt, zerstört die dörflichen Gemeinschaften, verschmutzt unser Wasser, vernichtet unseren Mutterboden, verursacht den Tieren unermessliches Leid, produziert ungeheure Mengen von Treibhausgasen und vergiftet uns durch Nahrungsmittelstress.“
Bei uns selbst beginnen
Was können wir also tun? Wie können wir unser Konsumverhalten ändern und denjenigen Unternehmen unser Geld versagen, die uns ohne mit der Wimper zu zucken vergiften und zudem noch einen viel zu großen Einfluss auf unsere Regierungen nehmen?
Information ist laut Robbins das erste Gebot: „Sie sollten die Wahrheit kennen über das, was Sie essen, wie es erzeugt wird und wie es sich auf Ihr Leben und die ganze Welt auswirkt. Je mehr Sie wissen, desto sinnvoller und wirksamer können Sie handeln. Je mehr Sie wissen, desto besser können Sie Ihre Ernährungsweise Ihren Zwecken und Ihrem Geschmack anpassen. Ihr Geist klärt sich, Ihr Herz findet Ruhe und Frieden. Ihr Körper wird es Ihnen für den Rest Ihres Lebens danken.“
Wissen über das, was wirklich hinter den Kulissen geschieht, führt einerseits zu Empörung über die Skrupellosigkeit, die sich in der Wirtschaft schon viel zu lange breit gemacht hat, andererseits zu Mitgefühl den Leidenden dieses Systems gegenüber: den Tieren, den unterbezahlten Arbeitern, den Bauern in Entwicklungsländern, den tausenden unbekannter Schicksale, die im Namen eines immer mehr steigenden Profits einiger Weniger in den Staub getreten werden.
Laut Robbins wird ein bestimmter Grad eines vermeintlichen gesellschaftlichen Glücks erst dadurch möglich, „dass wir das ausblenden, was uns nicht gefällt und uns belastet“. Wenn wir erst SEHEN, folgt unser HANDELN, so Robbins Hoffnung.
Und so berichtet Robbins weiter über kalifornische Milchkühe, die unter extrem unnatürlichen Umständen eingesperrt und mit Hormonspritzen und Antibiotika im Futter als „vierbeinige Milchpumpen“ betrachtet und behandelt werden, um im Schnitt 1300 Liter mehr Milch zu geben als artgerecht gehaltene Kühe. Milch, die z.B. für viele Eiskremsorten verwendet wird und somit von Kühen stammt, denen Injektionen mit genetisch manipulierten bovinen Wachstumshormonen (rBGH) verabreicht werden. Er erzählt von bekannten Firmen wie Häagen-Dazs und Nestlé, die diese Milch weiterhin verwenden, obwohl Untersuchungen ergeben haben, dass dies bei den Rindern zu einer extremen Zunahme von weißen Blutkörperchen führt, was letztlich zur Folge hat, dass die Milch Eiter enthält. Gleichzeitig steigt der IGF-1 Wert in der Milch, was sich auch in den Körpern der menschlichen Verbraucher niederschlägt. Forschungen ergaben, dass Frauen mit erhöhtem IGF-1 Wert ein siebenfach höheres Risiko tragen, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, bei denen der IGF-1 Wert im normalen Bereich liegt.
„Ein Drittel aller Kühe in Kalifornien leiden an einer schmerzhaften Infektion der Euter und mehr als die Hälfte an anderen Infektionen und Krankheiten. Die natürliche Lebensdauer einer Milchkuh beträgt zwanzig Jahre, in Kalifornien werden Kühe allerdings gewöhnlich im Alter von vier oder fünf Jahren geschlachtet, weil sie dann aufgrund von schmerzhaften Infektionen an den Beinen oder aufgrund von Kalziummangel nicht mehr die ihnen abverlangte unnatürlich hohen Milchmengen zu geben imstande sind.“
Kampagnen gegen Soja
Robbins berichtet auch von Kampagnen gegen Soja, bekanntlich ein Produkt, das der Fleischindustrie Umsatzeinbüßen verheißt. Absurdeste Behauptungen, die jeder Forschung zuwider laufen werden aufgestellt und propagiert, Gesundheitsrisiken werden genannt, die allesamt der Fantasie entsprungen sind. Immer noch ist Soja eines der gesündesten Lebensmittel, macht Robbins dagegen unmissverständlich und wissenschaftlich fundiert klar. Sorgen macht er sich beim Thema Soja dennoch, werden die wirklichen Gefahren in diesem Zusammenhang doch gern verschwiegen bzw. verharmlost.
Denn mittlerweile bestehen nahezu 90% des amerikanischen Sojaanbaus aus Monsantos genmanipulierter Sorte Roundup Ready – eine Sojabohne, die gegen das ebenfalls von Monsanto hergestellte Pestizid Roundup resistent ist. Robbins nennt es eindrücklich „Frankensteins Soja“.
2011 informierte Dr. Huber, emeritierter Professor und einer der führenden Wissenschaftler der USA den Landwirtschaftsminister Tom Vilsack über die Gefahren, die von Monsantos Roundup-Ready-Soja ausgehen, welches ein Pathogen bildet, das in den Boden und das Grundwasser eindringt. Dr. Huber schrieb, dass „die von diesem Pathogen ausgehende Gefährdung einzigartig ist und einen hohen Risikostatus aufweist. Laienhaft ausgedrückt handelt es sich … um einen Notfall.“
Zahllose Tierversuche beweisen, dass Roundup Fortpflanzungsstörungen und Missbildungen verursacht, und Studien aus den Jahren 2005 und 2009 ergaben, dass Roundup zum Absterben menschlicher Plazentazellen und innerhalb von nur 24 Stunden zum völligen Zelltod in der Nabelschnur beim Embryo führt.
Zumindest bislang dürfen in der EU keine genmanipulierten Sojasorten angebaut werden. Als Futtermittel dürfen sie allerdings genutzt werden – und auch Produkte, die aus diesen Sojasorten hergestellt wurden dürfen eingeführt und verkauft werden. Beim Einfluss, den eine Firma wie Monsanto auf Regierungen und ihre Entscheidungen hat, sollten wir uns jedoch vorsehen und mit allen Mitteln gegen einen Anbau in Europa vorgehen und gleichzeitig Produkte meiden, die von Firmen importiert werden, die Monsantos Frankenstein-Soja verwenden. Der Gang zum Bioladen und die Verwendung regionaler Produkte sind hier die erste Wahl.
Wie bereits erwähnt, folgt aus dem SEHEN das veränderte HANDELN.
Nicht die Hoffnung verlieren
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| (c) Daniel Bujack - fotolia.com |
In seinem Buch „Letzter Ausweg vegan“ kommt Robbins genau auf dieses Problem in einer einzigartigen und bewegenden Weise zu sprechen. Besser als er kann man es kaum ausdrücken, weshalb ich John Robbins selbst das Schlusswort überlassen möchte:
„Wir können es zulassen, dass sie unsere ganze Entschlossenheit und all unsere Möglichkeiten zerstören. Wir blicken der Geschichte ins Gesicht und können unseren
Blick abwenden. Oder wir können unseren Schmerz dazu nutzen, uns noch tiefer um alles zu sorgen, was bei uns und in der Welt gut und lebensspendend ist.
Wenn Ihnen wieder einmal jemand erzählt, es komme nicht darauf an, wer Sie sind oder dass Ihre Taten und Ihre Liebe keine Bedeutung haben, dann sollte er Folgendes wissen: Jeder, der mit seinem Leben für das einsteht, was ihm etwas bedeutet, ist Teil von etwas ganz Großem. Der Kampf um Gerechtigkeit ist so alt wie die Tyrannei selbst, und die Sehnsucht nach einer von Liebe geleiteten Welt ist so alt wie das menschliche Herz.
An das glaube ich: Wenn wir uns dem Leid und der Zerstörung im Leben zuwenden und eine Weise finden wollen, wirksam und positiv darauf zu reagieren, müssen wir offen sein für die lebensstärkenden Kräfte. Selbst in der schlimmsten Verzweiflung müssen wir auf unsere Kreativität und unsere Freude hören. Umgeben von Nachrichten, die uns das Herz brechen, müssen wir weiter von Frieden, Möglichkeiten und Fülle träumen.
Wir dürfen nie vergessen, dass in genau diesem Augenblick, wie in jedem anderen Augenblick, eine stetig wachsende Zahl von Menschen sich um eine bessere Welt bemüht – für sich, für ihre Kinder, für alle Kinder, jetzt und in Zukunft.
Geht es mit uns zu Ende? Oder fangen wir gerade erst an?
Soll uns unsere Verzweiflung vielleicht nicht zerstören, sondern nur neues Leben in uns wecken? Ja, es gibt hässliche Dinge – deshalb ist es so wichtig, dass wir die
Welt schön machen. Ja, es gibt unermessliches Leiden – deshalb brauchen wir viel Mitgefühl. Dann verleihen uns unsere Wunden Tiefe, Empathie und Verständnis. Dann verwandelt sich unser Leiden in etwas, wo wir uns auf andere beziehen und wachsen können.
Wir können immer noch gedeihliche, gerechte und nachhaltige Weisen des Lebens erschaffen. Trotz aller Täuschungen und gebrochener Versprechen ist die heutige Welt immer noch ein Ort, an dem unsere Herzen sich treffen und gemeinsam beflügelt werden können. Dafür sollten wir einstehen. Unsere Träume und Gebete wurzeln in etwas, das größer ist als der Tod. Unser Leid und unsere Wut auf die Grausamkeit in der Welt sind ein Teil unseres Erwachens. Heute geschieht etwas Geheimnisvolles in der Welt, und es ist ein Teil unserer Heilung.“
(c) Dirk Grosser 2012
Vielen Dank an das Magazin DAS WESENTLICHE, welches meinen Artikel in ihrer neuen Ausgabe gedruckt hat. (In der gleichen Ausgabe finden sich übrigens auch zwei überaus lesenswerte Artikel über die Hopi als Volk des Friedens und über die Magie des Wenigerwerdens wie man sie im Tao Te King entdecken kann...)
Freitag, 5. Oktober 2012
Das eigene Lied finden
Die
Schamanin Sonia Emilia RainbowWoman schreibt, dass es Kulturen gibt, in denen
werdende Mütter das Lied ihrer Kinder träumen. Während der Geburt begleitet
dieses Lied Mutter und Kind – und steht dem Neuankömmling auf dieser Erde
fortan als Kraftlied zur Verfügung. Ein
Kraftlied, welches mit seinen Tönen und seiner Melodie trägt, das eine Nähe zum
großen Ganzen vermittelt und Energie schenkt. Wer von uns würde sich das nicht
wünschen?!
Ich
denke, wir alle haben solch ein Lied. Ein Lied, das von den unterschiedlichen
Klangfarben unseres Lebens, von unseren Erfahrungen, unseren Träumen,
Hoffnungen, unserer Angst und unserer Liebe gestaltet wird. Die Melodie dieses
Liedes erinnert uns daran, woher wir kommen – die einzelnen Töne sind aus Erde,
Wasser, Feuer und Luft gewebt wie unsere Körper. Der Rhythmus ist unser
Herzschlag, mal ruhig und sanft, mal schnell und mitreißend. Es erinnert uns
daran, dass wir hierher gehören, auf diese Erde, in dieses Universum, dass wir
Teil dieses Lebens sind, Teil der Vielfalt. Es erinnert uns auch an unsere
Reise, an unseren Weg auf dieser Welt, umgeben von unzähligen Wundern.
Ich
stelle mir unser Universum gern als eine einzige große Sinfonie vor – erfüllt
vom Klang unendlich vieler verschiedener Lebewesen, die alle ihren Beitrag zu
dieser kosmischen Musik leisten.
Egal
wie bescheiden sich unser persönliches Lied ausnehmen mag, es ist
unverzichtbarer Teil des großen Liedes, welches durch alle Winkel des Alls
vernehmbar ist. Fehlt unser Ton, unsere besondere Note, fehlt dem ganzen Lied
etwas. Unsere Welt ist ohne unsere Melodie nicht dieselbe. Wir müssen singen,
müssen leben. Gemeinsam singen mit dem Regen, mit den raschelnden Blättern der
Bäume, mit den Rufen der Vögel – gemeinsam leben mit der Familie aller Dinge
und Wesen.
Unsere
Lieder sind ineinander geflochten, nicht getrennt von den anderen Liedern,
nicht getrennt vom großen Lied. Sie sind heilsame Berührungen. Unser eigenes
Lied zu finden, unseren ganz eigenen Weg zu gehen, heißt auch, das Lied des
anderen wertzuschätzen. Es kann nicht darum gehen, andere zu kopieren, ihre
Lieder auswendig zu lernen und mehr schlecht als recht zu imitieren. (Das Leben
ist schließlich keine Karaoke-Bar!)
Da
jedes einzelne Lied wertvoll ist, achten wir unser eigenes Singen ebenso wie
das Singen der anderen. Es ist wie ein großes universales Orchester – nur ohne
erste Geige und ohne Dirigent! Niemand gibt den Takt vor, niemand hat die Noten
ein für allemal aufgeschrieben und festgelegt, dass niemand davon abweichen
darf. Das große Lied entwickelt sich durch uns, es verändert sich, wechselt die
Geschwindigkeit, wird bombastisch und dann wieder ganz leise und zart. Es
fließt ruhig dahin und wird dann plötzlich wie ein tosender Fluss. Es überrascht
sich selbst mit immer neuen Klängen. Wenn wir mit diesen Klängen tanzen, uns
ebenfalls von uns selbst überraschen lassen, uns selbst und allem anderen
staunend und offen zuhören, wird unser Lied gelingen. Dann singen wir befreit
unser Kraftlied, sind selbst ein Anfang und schaffen eine Welt, in der unsere Kinder ihre eigenen
Lieder singen können!
Montag, 1. Oktober 2012
Du bist nicht dein Gehirn, Schlaubi-Schlumpf!
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| www.schluempfe-film.de |
Er lebt ausschließlich im Intellekt und ich bin
mir sicher, er würde behaupten, dass die Wissenschaft irgendwann herausfinden
wird, wie unser Gehirn unser Bewusstsein hervorbringt. Alles eine Frage der
Zeit.
Der wissenschaftsgläubige Schlumpf geht davon
aus, dass die Welt in unserem Kopf entsteht, dass wir nur über unseren Geist
mit der Umwelt verwoben sind.
Doch Bewusstsein besteht aus mehr, aus viel mehr,
als aus unserem Gehirn. Wir sind durchdrungen von der Welt – wir stecken nicht
in unserem Kopf, sondern sind in die Welt hinein ausgestreckt. Unser
Bewusstsein ist Teil der Welt, dynamisch arbeitend durch Einflüsse, die wir
empfangen und Impulse, die wir selbst geben. „Wir sind dezentral verteilt“, wie
der Philosoph Alva Noë sagt. „Die Auffassung, dass wir unser Gehirn sind, haben
die Wissenschaftler sich nicht erarbeitet. Es handelt sich vielmehr um eine
vorgefasste Meinung, die sie von zu Hause mit ins Labor gebracht haben.“ Etwas
unserer selbst liegt außerhalb von uns, fließt lediglich durch uns hindurch und
bildet gemeinsam mit inneren Prozessen die temporäre Erfahrung, die wir „Ich“
nennen.
Vielleicht ist unser Gehirn ein sensibles Netz,
das wir in diesen Fluss werfen und welches den einen oder anderen
Erfahrungsfisch aus der Vielfalt allen Seins einfängt. Doch könnten wir das
Netz, den Fischer und die Fische für einen Augenblick vergessen, würden wir die
Weite und das Fließen des Flusses viel unmittelbarer erleben. Wir würden
verstehen, dass wir nicht „hier drin“ sind und die Welt „dort draußen“.
Wir sind verkörpert und noch viel wichtiger: verortet
– unser Körper ist Teil der Welt, mit der wir in ständiger Kommunikation und
Interaktion stehen. So ist Bewusstsein kein rein neuronales Phänomen, sondern
ein lebendiger Austausch mit allem, was uns umgibt.
Bewusstsein ist kein Vorgang, der einzig und allein in unserem Inneren stattfindet.
Gehirn, Körper und Welt erhalten gemeinsam das Bewusstsein aufrecht und ihre
jeweiligen Grenzen sind weit offener als wir denken. Um noch einmal Alva Noë zu
Wort kommen zu lassen: „Bewusste Wesen haben Welten, und zwar in dem Sinne,
dass sich ihnen die Welt als etwas Wertgeladenes zeigt: Zucker! Licht! Sex!
Verwandte!“ Da ist Berührung, da ist Ausdruck, da ist Verlockung, Verzückung
und das Auflösen von Barrieren.
Wir können unsere Schlumpfmütze und unsere Brille
ablegen, sie am Ufer zurücklassen und ganz in den Fluss des Seins eintauchen,
uns selbst hineinbegeben, uns hingeben, unser Gehirn durchspülen lassen. Mit
unserem Atem, unseren Handlungen,
unserem Schauen und unserem Erfahren das Bewusstsein gestalten, welches als
kollektiver Fluss durch unseren Kosmos, um uns herum und durch uns hindurch
fließt.
Vielleicht schwimmt Schlaubi eine Runde mit uns.
Er muss sich nur trauen, nass zu werden!
Mehr zu Verlockung, Verzückung, dem Auflösen von Barrieren und dem Eintauchen in den Fluss des Lebens findet sich hier:
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