Freitag, 5. Oktober 2012

Das eigene Lied finden

Die Schamanin Sonia Emilia RainbowWoman schreibt, dass es Kulturen gibt, in denen werdende Mütter das Lied ihrer Kinder träumen. Während der Geburt begleitet dieses Lied Mutter und Kind – und steht dem Neuankömmling auf dieser Erde fortan als Kraftlied zur Verfügung. Ein Kraftlied, welches mit seinen Tönen und seiner Melodie trägt, das eine Nähe zum großen Ganzen vermittelt und Energie schenkt. Wer von uns würde sich das nicht wünschen?!

Ich denke, wir alle haben solch ein Lied. Ein Lied, das von den unterschiedlichen Klangfarben unseres Lebens, von unseren Erfahrungen, unseren Träumen, Hoffnungen, unserer Angst und unserer Liebe gestaltet wird. Die Melodie dieses Liedes erinnert uns daran, woher wir kommen – die einzelnen Töne sind aus Erde, Wasser, Feuer und Luft gewebt wie unsere Körper. Der Rhythmus ist unser Herzschlag, mal ruhig und sanft, mal schnell und mitreißend. Es erinnert uns daran, dass wir hierher gehören, auf diese Erde, in dieses Universum, dass wir Teil dieses Lebens sind, Teil der Vielfalt. Es erinnert uns auch an unsere Reise, an unseren Weg auf dieser Welt, umgeben von unzähligen Wundern.
Ich stelle mir unser Universum gern als eine einzige große Sinfonie vor – erfüllt vom Klang unendlich vieler verschiedener Lebewesen, die alle ihren Beitrag zu dieser kosmischen Musik leisten.
Egal wie bescheiden sich unser persönliches Lied ausnehmen mag, es ist unverzichtbarer Teil des großen Liedes, welches durch alle Winkel des Alls vernehmbar ist. Fehlt unser Ton, unsere besondere Note, fehlt dem ganzen Lied etwas. Unsere Welt ist ohne unsere Melodie nicht dieselbe. Wir müssen singen, müssen leben. Gemeinsam singen mit dem Regen, mit den raschelnden Blättern der Bäume, mit den Rufen der Vögel – gemeinsam leben mit der Familie aller Dinge und Wesen.
Unsere Lieder sind ineinander geflochten, nicht getrennt von den anderen Liedern, nicht getrennt vom großen Lied. Sie sind heilsame Berührungen. Unser eigenes Lied zu finden, unseren ganz eigenen Weg zu gehen, heißt auch, das Lied des anderen wertzuschätzen. Es kann nicht darum gehen, andere zu kopieren, ihre Lieder auswendig zu lernen und mehr schlecht als recht zu imitieren. (Das Leben ist schließlich keine Karaoke-Bar!)

Da jedes einzelne Lied wertvoll ist, achten wir unser eigenes Singen ebenso wie das Singen der anderen. Es ist wie ein großes universales Orchester – nur ohne erste Geige und ohne Dirigent! Niemand gibt den Takt vor, niemand hat die Noten ein für allemal aufgeschrieben und festgelegt, dass niemand davon abweichen darf. Das große Lied entwickelt sich durch uns, es verändert sich, wechselt die Geschwindigkeit, wird bombastisch und dann wieder ganz leise und zart. Es fließt ruhig dahin und wird dann plötzlich wie ein tosender Fluss. Es überrascht sich selbst mit immer neuen Klängen. Wenn wir mit diesen Klängen tanzen, uns ebenfalls von uns selbst überraschen lassen, uns selbst und allem anderen staunend und offen zuhören, wird unser Lied gelingen. Dann singen wir befreit unser Kraftlied, sind selbst ein Anfang und schaffen eine Welt, in der unsere Kinder ihre eigenen Lieder singen können!  




1 Kommentar:

  1. Sehr interessant! Weiß jemand in welchen Kulturen werdende Mütter das Lied ihrer Kinder träumen

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