Ich
denke, wir alle haben solch ein Lied. Ein Lied, das von den unterschiedlichen
Klangfarben unseres Lebens, von unseren Erfahrungen, unseren Träumen,
Hoffnungen, unserer Angst und unserer Liebe gestaltet wird. Die Melodie dieses
Liedes erinnert uns daran, woher wir kommen – die einzelnen Töne sind aus Erde,
Wasser, Feuer und Luft gewebt wie unsere Körper. Der Rhythmus ist unser
Herzschlag, mal ruhig und sanft, mal schnell und mitreißend. Es erinnert uns
daran, dass wir hierher gehören, auf diese Erde, in dieses Universum, dass wir
Teil dieses Lebens sind, Teil der Vielfalt. Es erinnert uns auch an unsere
Reise, an unseren Weg auf dieser Welt, umgeben von unzähligen Wundern.
Ich
stelle mir unser Universum gern als eine einzige große Sinfonie vor – erfüllt
vom Klang unendlich vieler verschiedener Lebewesen, die alle ihren Beitrag zu
dieser kosmischen Musik leisten.
Egal
wie bescheiden sich unser persönliches Lied ausnehmen mag, es ist
unverzichtbarer Teil des großen Liedes, welches durch alle Winkel des Alls
vernehmbar ist. Fehlt unser Ton, unsere besondere Note, fehlt dem ganzen Lied
etwas. Unsere Welt ist ohne unsere Melodie nicht dieselbe. Wir müssen singen,
müssen leben. Gemeinsam singen mit dem Regen, mit den raschelnden Blättern der
Bäume, mit den Rufen der Vögel – gemeinsam leben mit der Familie aller Dinge
und Wesen.
Unsere
Lieder sind ineinander geflochten, nicht getrennt von den anderen Liedern,
nicht getrennt vom großen Lied. Sie sind heilsame Berührungen. Unser eigenes
Lied zu finden, unseren ganz eigenen Weg zu gehen, heißt auch, das Lied des
anderen wertzuschätzen. Es kann nicht darum gehen, andere zu kopieren, ihre
Lieder auswendig zu lernen und mehr schlecht als recht zu imitieren. (Das Leben
ist schließlich keine Karaoke-Bar!)
Da
jedes einzelne Lied wertvoll ist, achten wir unser eigenes Singen ebenso wie
das Singen der anderen. Es ist wie ein großes universales Orchester – nur ohne
erste Geige und ohne Dirigent! Niemand gibt den Takt vor, niemand hat die Noten
ein für allemal aufgeschrieben und festgelegt, dass niemand davon abweichen
darf. Das große Lied entwickelt sich durch uns, es verändert sich, wechselt die
Geschwindigkeit, wird bombastisch und dann wieder ganz leise und zart. Es
fließt ruhig dahin und wird dann plötzlich wie ein tosender Fluss. Es überrascht
sich selbst mit immer neuen Klängen. Wenn wir mit diesen Klängen tanzen, uns
ebenfalls von uns selbst überraschen lassen, uns selbst und allem anderen
staunend und offen zuhören, wird unser Lied gelingen. Dann singen wir befreit
unser Kraftlied, sind selbst ein Anfang und schaffen eine Welt, in der unsere Kinder ihre eigenen
Lieder singen können!

Sehr interessant! Weiß jemand in welchen Kulturen werdende Mütter das Lied ihrer Kinder träumen
AntwortenLöschen