Zwischen
bemoosten, knorrigen Gestalten und goldenem Dunst bewegt sich eine ganz eigene Welt. Ein
rotbrauner Fellblitz schießt den Baum herauf, winzige Füße trippeln durch
verwelktes Laub am Boden, hier knackt es, dort ruft es, man kann das Wild
riechen, die Schwingen der Vögel und das unermüdliche Klopfen des Spechts hören.
Unter jedem Stein, unter jeder Rinde kriecht und krabbelt es, jeder Zentimeter
Raum ist erfüllt von Leben.
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| Cernunnos (c) Voenix |
Obwohl
tausend Stimmen ertönen, herrscht in uns eine eigentümliche, beruhigende
Stille. Eine Stille, die uns tief lauschen lässt, die unseren Geist in die
Melodie des Waldes hineinfallen lässt. Der Wald singt seine Seele mit der
ehrfurchtgebietenden Stimme Freyrs und dem Grunzen seines Ebers, mit den
kehligen Liedern Cernunnos‘, mit dem lieblichen Flüstern Sequanas, mit den weit
gewanderten Versen Grimnirs und mit den Flöten des Pan, wie Vivianne Crowley
uns in einem ihrer wunderbaren Gedichte erzählt:
In tiefen Höhlen
schlafen die Alten Götter
Doch noch immer
erkennen die Bäume ihren Herrn
Und es sind die
Flöten des Pan
Die das alte Lied
erklingen lassen
Im Zwielicht in den
Wäldern
Tanzen die Blätter
zur Melodie des Ziegengottes
Und wispern seinen
Namen in den Wind
Der Eichenbaum
träumt von einem Gott mit Hörnern
Und weiß von keinem
anderen König
Mit
uralten Bildern berührt uns die Seele des Waldes und schenkt uns selbst ein
neues Lied, welches uns verwandelt. Der Physiker Brian Swimme schreibt (ich habe es in diesem Blog schon einmal zitiert, weil ich es für überaus wichtig halte und es sich mit meinen Erfahrungen deckt): „Das
Ich, das in den Wald hineinging, wird es nicht länger geben, denn du wirst neu
sein, du wirst die Gegenwart des Waldes mit dir tragen. Die Wälder sind voll
von lebendiger Musik auf allen verborgenen Ebenen des Seins, und wenn du diese
Musik hörst, dann weißt du, dass der Wald jede Zelle deines Körpers
durchdrungen hat.“
Wenn
wir uns vom Wald berühren lassen und den alten Bildern, Mythen, Göttern und
Archetypen erlauben, in uns aufzuscheinen, kommen wir wieder in Kontakt mit der
Natur, mit unseren Ahnen, mit unseren Wurzeln, mit uns selbst. Unsere Seele ist
dann mit der Welt verbunden, kreativ, fruchtbar und nicht länger in
eingebildeter Abtrennung erstarrt. Wie beim Künstler und Mythenkenner Voenix (von
dem die hier abgebildete Illustration von Cernunnos stammt) drückt sich diese
Fruchtbarkeit und Kreativität, die sich aus tiefen Wurzeln nährt, dann in
unserem Alltag aus, trägt die Seele des Waldes in unsere Städte und die
Weisheit der alten Götter und Göttinnen in die Moderne. Das alte Lied im Zwielicht der Bäume verbindet uns mit
der ursprünglichen Kraft, die alle Wesen umgibt und durchdringt... Wie
tief, wie achtsam können wir lauschen?
Diese wahrhaftige Kommunikation mit dem Lebendigen ist der beste Weg, dem in unserer Gesellschaft immer weiter um sich greifenden Gefühl der Entfremdung entgegenzuwirken und gleichzeitig ein zukunftsfähiges Umfeld für die uns nachfolgenden Generationen zu schaffen.
Diese wahrhaftige Kommunikation mit dem Lebendigen ist der beste Weg, dem in unserer Gesellschaft immer weiter um sich greifenden Gefühl der Entfremdung entgegenzuwirken und gleichzeitig ein zukunftsfähiges Umfeld für die uns nachfolgenden Generationen zu schaffen.
Wer
dieses beseelte Leben mit all seinen tierischen, menschlichen, archetypischen
und göttlichen Qualitäten erlebt, schützt dieses Leben, das auch ihn selbst
erfüllt.
Mehr zu Cernunnos und anderen keltischen Göttern findet man hier:
Übrigens: Ein umfassendes Leitbild des Arun-Verlags sowie weitere Artikel und Interviews mit Autoren sind auf dem Blog des Verlags zu entdecken.


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