Dienstag, 22. Mai 2012

Die eWelt und das Tofu-Schnitzel von nebenan

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Manchmal bin ich wirklich erstaunt! Da sitzt jemand neben mir im Bus und liest ein eBook auf seinem iPad (ha, was für ein Satz!) – und bei jedem Umblättern macht es leise „wuusch“, fast so als wäre das ein echtes Buch und nicht die virtuelle Kopie eines Leseerlebnisses. Ich gebe zu, ich bin leicht voreingenommen, weil ich Bücher liebe. Echte Bücher. Mit Seiten aus Papier, einem Umschlag, einem Gefühl, einem Duft… Aber was mich so in Erstaunen versetzte und mich leise schmunzeln ließ, ist die Tatsache, dass irgendjemandem in der Chefetage des großen Plastikapfels aufgefallen sein muss, dass etwas fehlt, dass dem simplen Datensatz eine wichtige Eigenschaft abgeht, die beim realen Buch ganz selbstverständlich im Lieferumfang enthalten ist. Und zwar ohne Mehrkosten und Download einer Extra-App. 

Offenbar ist das Surrogat nicht vollständig, eben nicht ganz echt. Und wir, die wir ohnehin den ganzen Tag vor Bildschirmen hocken und unsere virtuellen Freunde mit uninteressanten Details aus unserem Leben langweilen, sehnen uns nach dem Echten. Dem Wirklichen. Dem, was uns auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, alle unsere Sinne anspricht, uns die Welt spüren und uns „mittendrin statt nur dabei“ fühlen lässt. Einfache Dinge, die seltener werden , weil unsere Aufmerksamkeit von all den „Ersatzdrogen“ aufgesogen wird. 
Henry David Thoreau
Tja, jetzt werde ich also alt und kulturpessimistisch. Das musste ja irgendwann so kommen. Aber das Echte hat’s mir einfach angetan – und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es anderen Menschen ebenso geht. Auch auf die Gefahr hin, dass mir Karen Duve, Jonathan Safran Foer und die PETA (bei denen ich übrigens Mitglied bin, nur so am Rande erwähnt) gehörig in den Hintern treten, fragte ich mich auf der letzten Veggie-Messe, über die ich mehr oder weniger zufällig schlenderte, warum die ganzen hippen Veganer denn nicht einfach Tofu essen könnten, anstatt mir ständig etwas von Tofu-Würstchen, Tofu-Schnitzeln und Tofu-Gulasch zu erzählen… Fehlt da auch etwas?! Versuchen wir die Natur auf eine Weise zu schützen, die uns selbst immer mehr von unserer eigenen Natur entfremdet?
Was bleibt mir also übrig? Wahrscheinlich werde ich auf eine abgelegene Insel ziehen, dort eine umfangreiche Bibliothek einrichten und  wilde Tiere jagen. Ich werde Unmengen Zucker statt Aspartam in mich hineinschütten, Bier mit Alkohol trinken, Butter statt Margarine genießen und es ansonsten wie Henry David Thoreau halten, der sagte: „Ich habe drei Stühle in meinem Haus. Einen für die Einsamkeit, zwei für Freundschaft, drei für Gesellschaft.“ Facebook wird mich hassen, aber ich werde glücklich sein! 
(DG)



Kommentare:

  1. ....Dein Text spricht mir aus der Seele!...Danke!...auf dass die Inselchen für das "Echte" immer möglich sein werden und wir die Kraft haben, uns rechtzeitig dahin auf den Weg zu machen!
    Herzliche Grüße!

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  2. ich gestehe, auch ich habe noch meere von büchern zuhause, leider sinds immer ziemlich viele ende des monats und kommen so einer bücherei bei mir ums eck zugute, denke die freuen sich immer mich zu sehen

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