Mittwoch, 22. Februar 2012

Wälder und Weise

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Ein sanftes Rauschen in den Blättern, Licht- und Schattenspiele auf weichem, würzig duftendem Boden, vielleicht ein Eichhörnchen oder eine Maus, vielleicht die Geräusche eines Bussards oder einer Krähe hoch über uns, aber vor allem eines: Grün! Grün, soweit das Auge reicht!
Unsere Wälder sind so anders als unsere gewohnten urbanen Lebensräume. Grün in  tausenden Nuancen, die sich in Farnen, Moosen, Blättern, Nadeln, Flechten und Gräsern zeigen… Durch unsere Pupillen nehmen wir dieses Grün in uns auf, speisen es in unser Nervensystem, werden verwandelt durch den Wald.
Der Physiker Brian Swimme schreibt: „Wenn du einen Wald betrittst, lerne vor der Großartigkeit zu erschaudern, die dich umgibt, und du wirst den Wald nie verlassen. Das Ich, das in den Wald hineinging, wird es nicht länger geben, denn du wirst neu sein, du wirst die Gegenwart des Waldes mit dir tragen. Die Wälder sind voll von lebendiger Musik auf allen verborgenen Ebenen des Seins, und wenn du diese Musik hörst, dann weißt du, dass der Wald jede Zelle deines Körpers durchdrungen hat.“
Der Wald ist Hort der Ruhe und Stille, trotz der vielen Geräusche, die man in ihm vernehmen kann. Denn die Geräusche, die hier an unser Ohr dringen, sind alle natürlichen Ursprungs und können sich wie Balsam auf unsere Seele legen. Der Gesang einer Amsel ist uns nun einmal doch näher als der Klang der neuesten iPhone-App, mit der uns unser Sitznachbar in der überfüllten S-Bahn quält…
Verkehrschaos, Lärm und für manche Menschen ein stetiges Gefühl der nicht enden wollenden Beschleunigung – so wird unsere Lebenswelt vielfach wahrgenommen.

Wie anders der Wald! Wie anders wir selbst, wenn wir ein wenig Zeit dort verbringen…
Die Druiden alter Zeiten sind in diesem Grün zuhause gewesen, Heiler im wirklichen Sinne, die uns heil und ganz sein ließen. Das Wort Druide stammt höchstwahrscheinlich aus den beiden Wortwurzeln „dru“,  dem keltischen Wort für Eiche und dem indogermanischen „wid“, was für Wissen steht. Der Druide ist also der „Eichen-Kundige“ oder der „Weise des Waldes“.

Könnten wir nicht alle „waldweise“ werden, zumindest unseren Kindern zuliebe? Könnten wir nicht heute beginnen, einen „grünen Weg“ zu gehen? Das moderne Druidentum, das der Kosmologie eines Brian Swimme so nah steht, setzt ganz auf unsere eigene Weisheit, unsere Kreativität und unsere Liebe zur Natur. Es traut den Menschen viel zu, weil es weiß, dass wir uns „nur“ erinnern, nur unsere Füße in den Wald setzen müssen…
Auf diesem Weg, wie ihn beispielsweise Philip Carr-Gomm lebt und lehrt, erfahren wir uns selbst und unsere Welt in einem großen Lied vereint. Dieses Lied bewusst zu singen, mit unserem ganzen Leben in es einzustimmen, mit den Pflanzen und den Tieren gemeinsam Strophe um Strophe zu intonieren, lässt uns in unserem Innersten ruhen.  Unser Innerstes wird wieder zu einem Ort der Kraft, aus dem wir frei und vital schöpfen können. Ein Ort, aus dem die „Grünkraft“ sprudelt, die unserer Welt so dringend fehlt!

Vielen Dank an das Magazin SpiritLive, die meinen Artikel in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht haben...

Von Philip Carr-Gomm hat der Arun Verlag übrigens gerade ein Buch veröffentlicht, das die Tradition des Druidentums nicht in einer Auflistung bloßer historischer Fakten vermittelt, sondern in einem lebendigen Appell an jeden Menschen, seine Seele mit der Natur zu verbinden und so zu ihrem und unserem Schutz beizutragen. Sehr empfehlenswert wie alles von Philip!










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