Mittwoch, 28. September 2011

Der Weg - Enttäuschung und Befreiung...

© Uzi Tzur - Fotolia.com
Das Beste, was uns auf unserem spirituellen Weg begegnen kann, sind Enttäuschungen. Wir alle möchten diese Erfahrungen so weit es geht meiden, ja, manchmal reden wir uns auch selbst Dinge immer wieder schön, um diesen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Doch was wirklich geschieht, wenn wir uns in einer solchen Situation tief und ohne Angst einlassen, ist lediglich, dass die Täuschung endet. Wir werden ent-täuscht. Unsere Illusion über einen bestimmten Sachverhalt endet, unsere Wunschvorstellungen decken sich nicht mit der Realität, unsere Bedürfnisse, die wir auf einen bestimmten Menschen projizieren, werden nicht erfüllt.

Vielleicht entpuppt sich der nordamerikanische Medizinmann als Cola-saufender und ketterauchender Ignorant, der indische Yoga-Lehrer zeigt sein frauenfeindliches und faschistoides Gesicht, das Engel-Medium gibt nur Allgemeinplätze ohne jede Bedeutung für unser Leben von sich, der mild und sanft lächelnde Guru ist einzig an seinem Bankkonto interessiert…
Wie fühlt sich das an? Fühlen wir uns verletzt und betrogen? Fühlen wir uns auf den Arm genommen, obwohl wir doch viel lieber in den Arm genommen werden wollten? Fühlen wir uns unserer Zeit, Energie und unseres guten Willens beraubt?
So schlimm diese Gefühle im ersten Moment auch sein mögen, sie bergen die Möglichkeit einer großen Befreiung in sich. Wenn die Illusion von uns abfällt, lehrt uns die Enttäuschung, das Echte vom Unechten zu unterscheiden und zeigt uns gleichzeitig, dass wir (wie schon so oft) an der falschen Stelle gesucht haben.
Woher stammt diese Sehnsucht nach Erleuchtung, nach Weisheit, nach Wissen, möglichst nach Geheimwissen? Wen sollen diese Dinge befriedigen?
Ist es unser wahres Selbst, was eine echte Frage an die Welt stellt oder ist es unser Ego, welches in unendlichen Ausweichmanövern vor der Begegnung mit sich selbst zurückschreckt und uns immer wieder ins Außen, weg von unserem eigentlichen Inneren, führt?
Meditieren heißt neu sehen lernen. Es heißt, das Innere wie das Äußere so anzunehmen wie es sich in diesem Augenblick offenbart, ohne Vorstellungen, Erwartungen und andere Verzerrungen. Es heißt, den Baum als Baum zu erblicken und nicht als Zeichen eines erdachten Gottes. Es heißt, den anderen Menschen so sein lassen zu können, wie er ist. Es heißt, das lernen zu können, was sich im gegenwärtigen Moment in all seiner natürlichen Schönheit offenbart.
Dieses Sehen geschieht nicht von heute auf morgen. Wir werden noch oft enttäuscht werden, enttäuscht werden müssen. Doch mit jeder Enttäuschung schält sich unser Selbst aus dem Dunkel unserer vom Ego motivierten Erwartungen. Irgendwann lachen wir in diesen Momenten – und unser Lachen enthüllt die Dinge so wie sie sind: Frei, ebenso wie wir!

Seit heute erhältlich: Mein Buch "Selbst ein Anfang sein"...

  








Dirk Grosser: Selbst ein Anfang sein

1 Kommentar:

  1. Ein Beitrag, eingestellt vor über einem Jahr... Von mir "gefunden" HEUTE, auf der Suche nach etwas ganz anderem! Erlebte, gefühlte Enttäuschung war die Motivation der Suche - diese Zeilen sind der LOHN!!! DANKE!

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