Dienstag, 19. Juli 2011

Von unseren tierischen Verbündeten lernen

(c) Jens Klingebiel - fotolia.com
Wie würde es sich anfühlen, wenn ein Wolf zu Ihnen spräche, Ihnen davon erzählte, wie es sei, mit seinen Artgenossen durch die Wälder zu laufen, auf Jagd zu sein und eingebettet in ein Rudel zu leben? Wie wäre es, wenn Sie einem Elefanten Fragen stellen könnten, wenn Sie die Welt für einen Moment durch seine Augen betrachten könnten? Was könnte ein Luchs Ihnen über Ihre eigene Persönlichkeit und den Weg Ihrer Seele berichten?
Tiere sind unsere älteren Geschwister – ihr ganzes Sein, ihr Instinkt und ihr Wissen gehen unserem Sein voraus. Lange bevor der erste Mensch seine Schritte durch die Steppen Afrikas lenkte, war die Erde angefüllt mit Federn, Fell, Klauen und Schuppen, die Luft erfüllt mit Fauchen, Trompeten, Singen, Brüllen und Schnurren. Schon unsere Urahnen beobachteten unsere tierischen Verwandten und lernten von ihnen. Viele Heilkräuter wurden durch die Beobachtung von Tieren entdeckt und auch kooperative Jagdmethoden wurden verfeinert, weil man sah, wie manche Raubtiere gemeinschaftlich vorgingen. Doch Tiere lehren uns nicht nur großzügig auf physischer, sondern auch auf geistiger Ebene.
Bei Visionssuchen, Krafttierreisen und Meditationen halten sie Botschaften für uns bereit, denen wir lauschen sollten. Als Verbündete aus der geistigen Welt tauchen sie in archetypischer Weise auf, erhellen unsere Gedanken, halten uns einen Spiegel vor Augen, schenken uns Inspiration und führen unsere Seele in tiefe Bereiche unserer eigenen Existenz. Ein Blick in die Augen unseres Krafttieres kann uns das Mysterium des Lebens oft besser erklären als eine ganze philosophische Bibliothek. Die Begegnung mit dem Krafttier weckt etwas in uns, was oft verschüttet ist: Eine instinktive Verbindung mit der Welt, eine Zugehörigkeit zu etwas Größerem und ein wirkliches Gefühl für unsere Seele. Manchmal ist schon das bloße Auftauchen des Krafttieres Botschaft genug, denn das ureigene Sein des Tieres hält Antworten für bestimmte Situationen bereit. Die Würde des Hirsches, die Kraft des Bären, die Schnelligkeit des Geparden, die Ausdauer der Graugans, die Treue des Hundes – all diese Eigenschaften können uns etwas Bedeutsames mitteilen. Die Schweizerin Regula Meyer zitiert in ihrem Buch, das unzählige traditionelle Deutungen von Tierbegegnungen beschreibt und die Eigenschaften dieser Tiere als Seelenbotschaften entschlüsselt, Charles Baudelaire: „Dass wir so gerne Tiere betrachten, liegt wahrscheinlich daran, dass wir dabei so viel über uns selber erfahren.“ Unsere Seele sehnt sich nach dieser „wilden Weisheit“, unser Herz ist innig mit den Herzen aller Tiere verwoben und kann auf dieses intuitive Wissen nicht verzichten.
Manchmal unscheinbar wie die Ameise zu unseren Füßen, mal ehrfurchtgebietend wie das Auftauchen eines Buckelwals führt jede Begegnung, die wir mit wahrhaft offenen Augen erleben, zu einem besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, in der wir leben!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen