Dienstag, 7. Juni 2011

Die heilige Hochzeit von Männlichem und Weiblichem

Inanna & Dumuzi
In allen naturspirituellen Traditionen – ganz gleich, ob es sich um alte Überlieferungen oder neue Wege handelt – werden beide Geschlechter gleichermaßen geehrt. Man spricht von Vater Himmel und Mutter Erde, von Gott und Göttin, die in ihrer Vereinigung die Welt und alles Leben auf ihr hervorbringen. In den letzten Jahrzehnten hat es in manchen Bereichen unserer durch die unterschiedlichen Monotheismen stark patriarchal geprägten Kultur eine Rückbesinnung auf die Göttin gegeben und damit auf eine Wiedererstarkung der Frau und des Weiblichen in unserer Gesellschaft. Uns ist bewusst geworden, dass das Göttliche nicht ausschließlich männlich sein kann und dass Frauen, bevor die monotheistischen Traditionen ihren Siegeszug begannen, eine wichtige Rolle bei der Kommunikation mit der Anderswelt gespielt haben und auch heute innehaben sollten. Frauen sind bei der Heilung ihrer Innenwelt vorangegangen, haben ihre Spiritualität erforscht, belebt und offen gezeigt, haben die Göttin zu neuem Leben erweckt. Männliche Spiritualität ist immer noch oft schamhaft verborgen und von der Angst begleitet, dass Spiritualität nur Innerlichkeit und damit keine wirklich männliche Qualität sei. Doch die Schöpfung braucht beide Geschlechter, um wahrhaft fruchtbar zu sein. Und sie benötigt nicht nur Innerlichkeit, sondern auch eine Energie, die sich nach außen richtet und die Welt aktiv mitgestaltet. Zur erwachten Göttin muss sich der erwachte Gott gesellen, der in jedem Mann sichtbar werden kann. Nur eine heilige Hochzeit zwischen Männlichem und Weiblichem hält die Welt lebendig. Diese heilige Hochzeit sollte jeden Lebensbereich durchdringen und dabei beide Energien – männliche wie weibliche – wertschätzen. Weder das Patriarchat noch das Matriarchat werden uns auf unserer menschlichen Reise weiterbringen – einzig Partnerschaft vermag das.

Matthew Fox beschreibt diese Hochzeit als wirkliche Berührung von heiliger Männlichkeit und heiliger Weiblichkeit, die sowohl im gesellschaftlichen Kontext ins Licht des Bewusstseins gerückt werden als auch im Inneren eines jeden einzelnen Menschen stattfinden müsse.
Viele Frauen sind sich der Göttin in der Welt und in sich selbst bewusst, aber wie viele Männer sprechen ohne Scheu vom Gott, den sie als Gehörnten im Wald wahrnehmen, im Wind spüren, in den Wellen des Meeres erblicken und dem sie in ihrer eigenen Seele in die Augen schauen? Wie viele Männer sind wirklich in Kontakt mit sich und heiligen sich somit selbst? Die erste Männerbewegung scheint mir ins Stocken geraten zu sein, doch mittlerweile gibt es mit Fox, Robert Bly, Michael Meade, David Deida und Richard Rohr Männer, die ihre Spiritualität auf kraftvolle Weise in die Welt tragen und dort wachsen lassen. Ihre Ideen können ein Leuchtfeuer für diejenigen sein, die neue Wege gehen wollen.
Fox bezeichnet Männer als „Träger der Saat“ und fragt: „Verbreiten wir die Saat eines neuen und gesunden Lebens?“ Eine Frage, die sich jeder Mann stellen sollte…

Mehr zur Heiligen Hochzeit findet man hier:



Kommentare:

  1. ... "einzig Partnerschaft vermag das" ... Wie wahr! Danke für diesen inspirierenden Text!

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  2. Dazu hab' ich ein sinniges Zitat gefunden:

    Das Mysterium coniunctionis ist die Angelegenheit des Menschen. Er ist der Nymphagogos (Brautführer) der himmlischen Hochzeit. Wie kann sich ein Mensch von diesem Geschehen distanzieren?

    C. G. Jung an Erich Neumann (1952)

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