Dienstag, 20. Mai 2008

Strategien

In Philips Darlegung der druidischen Tradition geht es ihm nicht darum, diesen alten Weg als Ideal darzustellen, sondern vor allem darum, zu schauen, wie die Ansätze des Druidentums heute für uns von Nutzen sein können, was wir lernen können, wie wir einen neuen Blick auf unsere Welt und unser Leben werfen können. Wie kann man heute das Druidentum leben und was hat der Druide unserer heutigen Zeit an Weisheit anzubieten? Was passiert ganz praktisch neben den Zeremonien und Ritualen der Jahresfeste? Wie und wo finden wir die Kraft, die uns befähigt, Liebe, Weisheit und Kreativität hervorzubringen?
Bei seinem Vortrag in Bad Honnef sprach Philip u.a. über sechs Strategien, die er in unserer heutigen Zeit empfiehlt, um in wahrem Kontakt mit der Natur zu sein und in unserer Welt wirklich etwas verändern zu können.

Die erste Strategie besteht darin, die "Türen" zu finden, sie offen zu halten, sie anderen zu zeigen und gemeinsam durch sie hindurchzugehen. In jeder Tradition gibt es die Überzeugung, dass neben unserer Welt noch eine andere Realität existiert. Im keltischen Kontext nennt man dies die "Anderswelt".
Die Begegnung mit Menschen, das Lesen guter Bücher, das Besuchen heiliger Orte - all dies können Türen zu dieser anderen Realität sein, zur Anderswelt, zur Quelle unserer Seelen.
Wenn wir beide Realitäten wahrnehmen können, sehen wir trotz allen Chaos die Vollkommenheit der Welt. Wir betrachten sie nicht nur als "beschädigt", sondern als von Grund auf heilig und heil. Nur wenn wir beide Sichtweisen vereinen, können wir zur Lösung von Problemen beitragen.

Die zweite Strategie gibt uns die Möglichkeit, die Krise unserer Welt als Ruf zur Gegenwärtigkeit zu sehen. Die Krise rüttelt uns wach - sie ruft uns zu unserer wahren Identität und zu unserer Quelle zurück. Wir stellen uns selbst auf "Empfang", wir sehen und hören wirklich.

Strategie Nummer drei umarmt die Unsicherheit. Dies erlaubt uns, "nicht zu wissen", was mit der Welt und der Menschheit geschehen wird. Es öffnet uns für die Möglichkeit von Inspiration und Enthusiasmus, anstelle von vorgefassten, abgeschlossenen Meinungen. Wir bewegen uns von der Angst zum Vertrauen. So können wir neue Wege gehen, Neues ausprobieren und offen für Veränderungen sein. Die Kraft des Optimismus' wird aus diesem Bereich geboren.

Mithilfe der vierten Strategie kultivieren wir das Mysterium - wir wenden uns kontinuierlich der Quelle zu, indem wir eine spirituelle Praxis aufbauen.
Wir meditieren, schaffen uns heilige Zeit, ehren heilige Räume und Plätze, ziehen uns zuweilen zurück, um stärker als zuvor den Kontakt zu uns selbst und zur Natur zu finden. Von diesem kraftvollen Ort in uns selbst, werden wir zu effektiveren Aktionen in der Welt befähigt. Wir kehren zurück zum stillen Teich von Segais, aus dem sowohl Awen (Inspiration) als auch Nwyfre (Lebenskraft) entspringt.

Strategie Fünf beschreibt das "Heiligen der Begrenzungen". Wir schrauben unsere Ansprüche zurück und öffnen uns der segensreichen Achtsamkeit, die jenseits unserer physischen Bedürfnisse liegt. Das "Weniger" bietet uns Raum für Stille und führt uns vom Haben und Tun zum Sein.

Die sechste Strategie führt uns zum wirklichen Reichtum des Lebens: Wir verändern unseren Fokus von Geld zu Kultur, von Besitzen zu Lernen und Wertschätzen, vom Konsum zu schöpferischem Handeln und Teilhabe an der Natur.

Wie anders könnte unsere Welt mit diesen Strategien aussehen?

Ich freue mich, mit Philip und Euch gemeinsam in die Tiefe dieser Strategien vorzudringen.
Viele Grüße,
Dirk

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