Dienstag, 7. Juli 2015

Rezension: Jiddu Krishnamurti - Das Licht in uns

Die edition steinrich aus Berlin entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsverlag. Neben einem untrüglichen Gespür für neue Autoren und Themen im buddhistischen Bereich (z.B. Bhante Dhammika oder Karl Brunnhölzl) sowie auch darüber hinausgehend (z.B. Christian Herwartz oder Karl-Heinz Brodbeck) verfügen Ursula Richard und Traudel Reiss, die beiden Köpfe des Verlags, auch über einen Sinn für das Heben älterer Bücherschätze und ihr neuerliches Verlegen.
Letzteres geschah bislang z.B. mit Bernard Glassmans Klassiker „Anweisungen für den Koch“ oder auch Joko Becks „Einfach Zen“ – und nun ganz aktuell mit einem der besten Werke Jiddu Krishnamurtis: „Das Licht in uns. Über wahre Meditation“, das kürzlich in sehr gelungener Aufmachung und in einer vom deutschsprachigen Krishnamurti-Komitee neu bearbeiteten Übersetzung erschienen ist.
In dieser Zusammenstellung öffentlicher Reden aus den Jahren 1968 – 1983 geht Krishnamurti in seiner unvergleichlichen Art auf das Thema Meditation ein, hinterfragt alle gängigen Methoden und vor allem unseren Wunsch, überhaupt einer Methode zu folgen. Er zeigt auf, wie wir beim Verwenden einer bestimmten Technik immer auch eine gewisse Form der Ideologie mit übernehmen, die uns nicht in die Freiheit, sondern in neue Konditionierungen führt.
„Wenn Sie sagen, Sie müssen meditieren, Sie müssen einem bestimmten Weg folgen oder eine bestimmte Technik praktizieren, dann konditionieren Sie sich ganz offensichtlich im Sinne dieses Systems (…) Vielleicht erreichen Sie das, was die Methode verspricht, aber es wird Asche in Ihren Händen sein, denn das dahinterstehende Motiv ist das Streben nach Erfolg, und dieses Streben entspringt der Angst.“
Krishnamurtis unermüdliches Fragen und seine klaren Ausführungen machen deutlich, dass wir mit bestehenden Methoden nur einem vorgezeichneten Weg folgen, anstatt uns selbst auf Entdeckungsreise zu begeben: „Einem anderen zu folgen, heißt ihn nachzuahmen. Jemand zu folgen heißt, dass man die eigene Klarheit verneint, die eigene Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, die eigene Integrität und Aufrichtigkeit (…).“
Krishnamurtis Verständnis von Meditation ist dagegen das Sein im Augenblick, wahrhaft still, frei und ungetrübt von jeder Art Theorie oder Konzept. Ein einfaches Sein, das das ganze Leben zur Meditation werden lässt und sich nicht scheut, die Wahrheit auf eigene Faust zu erforschen. Ein Sein, das jenseits ausgetretener Pfade eine in jedem Augenblich sich neu entfaltende Form der Freiheit erfährt.
„Nur in dem, was leer ist, kann etwas Neues stattfinden“, lautet der letzte Satz dieses sicherlich für Kontroversen sorgenden Buches, das unsere gängige Vorstellung von Meditation auf den Kopf zu stellen vermag. Gewöhnungsbedürftig, weil es eben keine neue Methode anbietet, aber gerade deshalb eine echte Lese-Empfehlung!

Dirk Grosser


Freitag, 3. Juli 2015

Ab heute laufen die Druckmaschinen - und ab dem 24. August steht es dann im Buchladen: "Der Buddha auf vier Pfoten" - mein neues Buch über den entspanntesten Hund und Lehrer aller Zeiten!
Eine erste Leseprobe findet Ihr hier:
http://www.randomhouse.de/…/Der-Bu…/Dirk-Grosser/e482484.rhd

Donnerstag, 18. Juni 2015

Die Kunst des Segnens - Ein Handwerk des Herzens

(c) adrianpluskota - fotolia.com
Immer wenn ich über die „Kunst des Segnens“ schreibe, einen Vortrag zum Thema halte oder einen Workshop ankündige, merke ich, wie angestaubt und altbacken das doch klingen muss. Es sind denkbar schlichte Worte, die nicht viel versprechen und in uns nicht die Hoffnung nähren, dass wir mit dieser Kunst zu großen Heilern werden, dass wir auf Quantenebene agieren, möglichst elitäres Geheimwissen erlangen und in die Lichtmatrix des Planeten abtauchen, oder dass all unsere ego-motivierten Wünsche von einem kosmischen Bestellservice entgegengenommen würden. Ich habe schon über viele alternative Titel nachgedacht, darüber nachgesonnen, wie das Ganze wohl etwas „aufgemotzt“ werden könnte, um der allgemein vorherrschenden Sehnsucht nach dem noch nie Dagewesenen zu entsprechen. Quantum Blessing 2.0? Cosmic Power Blessing? Ich weiß nicht …
Vielleicht habe ich einfach kein Talent fürs Marketing und bleibe lieber bei dem, was es ist: Eine Kunst, die wie jede Kunstform dafür sorgt, dass wir der Welt einen einzigartigen Aspekt unserer selbst schenken, und mit der wir uns zugleich darin üben, auf unsere Inspiration zu lauschen, ganz da zu sein und diese leise Stimme des Geistes – der bekanntlich weht, wo er will – in uns wahrzunehmen und uns verändern zu lassen.

Je länger ich mich mit dieser Kunst befasse, desto klarer wird mir, dass wir es bei den Segenswünschen mit der europäischen Form der Achtsamkeitspraxis zu tun haben. Eine Achtsamkeitspraxis, die ruhig verweilt und dann aus sich heraus kreativ wird, um die eigenen Erkenntnisse auf sanfte und heilsame Weise in die Welt zu bringen. Eine wunderschöne Verbindung aus Nicht-Tun und Tun.
Die Kunst des Segnens erfordert genaues Schauen, ein völliges Sich-Einlassen auf das, was ist, und auch auf das, was sein kann. Der Segen bezieht sich auf das Wesentliche, auf den Kern der Sache, der manchmal verborgen ist, aber sichtbar gemacht werden kann. Wir schauen zugleich auf das Potential, das seiner Entfaltung und Blüte harrt. Erlauben wir uns einen Moment des Innehaltens, können wir die innere Vollkommenheit allen Seins erblicken, das Heilige, das in allem wohnt, und dies in unseren Alltag hineinholen und dort dankbar anerkennen.

Das Unsichtbare sichtbar machen
Zu segnen heißt, das Gute, das dem gegenwärtigen Moment innewohnt, mit Worten sichtbar zu machen. Das deutsche Wort „segnen“ stammt vom lateinischen „signare“, was so viel bedeutet wie „etwas mit einem Zeichen versehen“. Wir markieren also in gewisser Weise das Wichtige, das Wirkliche und Wesentliche. Wir holen es hervor, bergen es mit Hilfe unserer Sprache.
Vielleicht kennt der eine oder andere Leser noch die Tradition, einem Brotlaib, bevor er in den Ofen geschoben wird, ein Kreuz einzuritzen. Auch hier wird der Segen (das Brot als Nahrung, die die Erde uns zur Verfügung stellt) erkannt und – in diesem Fall nonverbal – hervorgehoben.
Was ich bei den Segenswünschen besonders schön finde, ist die Tatsache, dass dieses „Gute“, das wir in Dingen, Situationen und anderen Wesen erkennen, nicht immer unbedingt etwas ganz Großes sein muss.
Es handelt sich eher um eine „Spiritualität der kleinen Dinge“. Kleine Dinge, die wir oft übersehen, die aber unser Leben zu einem entscheidenden Teil ausmachen. Diese Dinge sind schon in unserem Leben gegenwärtig, doch sie sind uns oft nicht wirklich bewusst. Es sind Dinge, die unscheinbar sind und die wir deshalb als selbstverständlich erachten. Wenn wir hierauf achten – und die Kunst der Segenswünsche dient genau diesem Zweck! – wird uns klar, in welcher Fülle wir uns bewegen und für wieviel wir dankbar sein können.
Die keltische Spiritualität hat dies in ihrer langen Tradition – wurzelnd in der Naturreligion und auf einzigartige Weise weitergeführt in ihrer speziellen Ausprägung des Christentums – schon immer erkannt und in vielerlei Formen gefeiert. Wenn am frühen Morgen ein Herdfeuer entzündet wurde, so begleiteten Worte des Dankes und des Segens diesen Vorgang. Man war sich bewusst, dass dieses Feuer nicht nur das Haus oder die Hütte heizte und dass man das Essen auf ihm zubereiten konnte, sondern dass man sich an ihm zusammensetzen und Geschichten lauschen durfte, die auch das Herz wärmten.
Wenn man Wasser aus einem Bach oder einer Quelle schöpfte, ging es nicht nur um das Stillen des Durstes oder das Waschen der Wäsche, sondern man drückte auch seine generelle Dankbarkeit gegenüber dem Wasser aus, das die Erde fruchtbar macht und Menschen, Tieren und Pflanzen Leben schenkt.
Das Sprechen von Segen war eine Erinnerung an die Freigebigkeit der Welt. Mit jedem Segen wurde den Menschen bewusst, dass die Welt um sie herum ihnen freundlich gesonnen war und ihnen alles bot, was sie zum Leben brauchten. Vielleicht war es diese grundsätzliche Einstellung, die es den Kelten in späterer Zeit ermöglichte, einen Wanderprediger aus Galiläa so in ihr Herz zu schließen. Die Bergpredigt Jesu vermittelt ein ganz ähnliches Gefühl des Gehalten-Werdens und drückt dies in Bildern der Natur aus, die den Kelten so viel bedeutete: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und … euer himmlischer Vater ernährt sie. Lernt von den Lilien, die  auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht … Doch … selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.“ (Mt 6, 26 – 29)

Staunen und Dankbarkeit
Hier werden viele Aspekte angesprochen, die für mich eine tiefe Spiritualität ausmachen: Das Staunen über die Schönheit der Welt, über das schimmernde Gefieder der Vögel und ihre Fähigkeit zu fliegen, über die farbenprächtigen Blumen, die unserem Auge wohltun, und die in fast jedem Winkel unseres Planeten wachsen und gedeihen. Die Freude darüber, dass wir dies sehen und erleben können, dass wir uns verlieren können in der Schönheit. Die Dankbarkeit dafür, dass all dies uns umgibt, dass das Leben so vielfältig ist, und das alles versorgt ist und sein kann. Und letztlich die Dankbarkeit dafür, dass auch wir in ähnlicher Weise gehalten sind – die tiefe und stille Entspannung in dem Wissen, dass unsere Sorgen unbegründet sind.
Die Kunst des Segnens hilft uns, genau diese zwei Eigenschaften in all ihrer Tiefe zu kultivieren: Staunen und Dankbarkeit. Wenn wir einen Segen sprechen oder über ihn meditieren, blicken wir achtsam auf das, was uns umgibt. Wir staunen mit den Augen eines Kindes und unser Herz öffnet sich für die Dankbarkeit. Wenn unser Herz dankbar ist, fällt es uns leicht, immer mehr von dem Segen, der in allem schlummert, zu entdecken. Es ist wie eine Spiralbewegung in die Tiefe – die Tiefe der Schönheit, die Tiefe der Welt mit all ihren Geschöpfen, die Tiefe des Göttlichen, das sich hier in jedem Augenblick ausdrückt, und unsere eigene Tiefe, dem heiligen Grund unserer Seele.

Der Welt und uns selbst immer näher kommen
Diese Dankbarkeit ist eine Lebensweise, die uns immer näher an die Welt heranführt und sie zu einem immer freundlicheren Zuhause für uns werden lässt – ein Ort, der uns mit allem versorgt, dessen wir bedürfen, und der uns immer neue Erfahrungen schenkt, die uns innerlich wachsen lassen.
Wenn wir erkennen, wie wertvoll jede sogenannte Kleinigkeit ist, fällt es uns leichter, hier und da ein liebevolles Wort zu schenken.
Mit einem Segen können wir unserer Nachbarin, die von sich glaubt, über keinerlei Talente zu verfügen, mitteilen, wie wundervoll ihre Fähigkeiten als Gastgeberin sind und wie wohl wir uns bei ihr fühlen. Wir können unserem Arbeitskollegen sagen, wie glücklich wir darüber sind, seine Unterstützung nicht nur in fachlicher sondern auch in menschlicher Hinsicht zu haben. Wir können andere ermutigen, aufbauen und wertschätzen. Wir können eine neue Form der Kommunikation entdecken, die ganz aus unserem Herzen kommt und direkt in das Herz unseres Gegenübers dringt.
Wenn wir diese vergleichsweise einfache Übung gemeistert haben, können wir auch uns selbst und unseren Weg mit neuen Augen sehen, uns segnend annehmen, wie wir sind.
Wir werden erkennen, dass ausnahmslos alles, was wir erlebt haben und derzeit erleben, ein integraler Bestandteil unseres Weges ist. Ein Weg, der uns unsere wunderbare Menschlichkeit bewusst macht und uns befähigt, das Heilige in der Welt und in uns zu feiern. Wir sehen den Segen nicht nur in dem, was uns umgibt, sondern auch in uns selbst. Wir können endlich die fixe Idee hinter uns lassen, dass wir nicht „gut genug“ seien.
Wir können uns und unser Tun, unsere Nächsten, die Tiere und Pflanzen, die Berge und Seen, die Wiesen und Hügel segnen – mit schlichten Worten, achtsam und voller Herzensgüte, die einer tiefen Liebe zur Welt entstammen und diese immer wieder neu in uns zu erwecken vermögen. Segen sind keine Zauberei, auch keine Affirmationen, mit denen wir uns irgendetwas einzureden versuchen, oder Wünsche, die einer seltsamen Anspruchshaltung entspringen, dem Gegenteil von Dankbarkeit. Sie sind die natürlichen Früchte einer Lebensweise, die mit einem weichen, wohlmeinenden und liebevollen Blick einhergeht und die unser Herz so weit macht, dass die ganze Welt darin Platz findet.

© Dirk Grosser


 

Dirk Grosser
Möge dein Weg gesegnet sein
Segen, die deine spirituelle Entwicklung begleiten
200 Seiten, Broschur
Schirner Verlag
€ 14,95







Freitag, 15. Mai 2015

Segen für die Weite

(c) smileus - fotolia

Wenn du atmest
und der Duft des wilden Windes dich erfüllt,
wenn du schaust
und die sanften grünen Hügel, die rauen Felsen,
die sich wiegenden Bäume und die glitzernden Seen dich rühren,
wenn du lauschst
und du überall das erste Lied des Kosmos,
die Melodie vom Anfang der Zeit, hören kannst –
mögest du den Segen der Weite spüren,
der viele Wohnungen in dein Herz baut;
Wohnungen, Höhlen und Bauten
für alles, was lebt und in dir seine Lebendigkeit feiert,
Schlupfwinkel für das Kleinste
und Ebenen für das Größte,
weite Hallen für die Fliegenden,
tiefe Tiefen für die Schwimmenden –
Orte für die abertausenden Wesen,
die abertausenden Verwandten.

Möge jeder Atemzug dich weiter machen
und die Vielfalt in dich einladen, die dir zeigt,
dass alles seinen Platz hat und sein Zuhause findet,
dass alles sein darf und du das glauben kannst,
was in deinem Herzen wachsen mag.

Mögest du in dem Moment,
in dem all deine Sicherheit zerbricht,
voller Staunen feststellen,
dass du, statt zu fallen, auch fliegen kannst.
Möge der Segen der Weite dein Leben ergreifen,
und mögen deine Schritte dich in die Freiheit führen.


(c) Dirk Grosser

  

Dirk Grosser
Möge dein Weg gesegnet sein
Segen, die deine spirituelle Entwicklung begleiten
200 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8434-1175-2
Schirner Verlag

Montag, 4. Mai 2015

Termin mit Seán ÓLaoire

"Great Green Spirit - Großer grüner Geist" - Tagesseminar mit Fr. Seán ÓLaoire

Nach langer Zeit kommt endlich wieder mein Lehrer und Mentor Seán ÓLaoire nach Deutschland, um hier ein Tagesseminar zu geben. In seiner unnachahmlichen Weise wird er über den großen Geist Gottes sprechen, der hier auf unserer Erde in Form von Bäumen, Tieren, Menschen und Steinen gegenwärtig ist. Mit anderen Worten: Seán wird über die zwei Bücher Gottes sprechen - die Bibel und das Buch der Natur! Dabei wird er sicherlich ungewöhnliche Sichtweisen vertreten, auf naturreligiöse Vorstellungen wie auf christlich-mystische Sichtweisen eingehen und auch Raum für persönliche Fragen haben. Geführte Meditationen werden diesen Tag abrunden, den ich wirklich nur jedem ans Herz legen kann. Ich kenne niemanden, an dem eine Begegnung mit diesem ungewöhnlichen irischen Priester und seiner undogmatischen und in die Freiheit führenden Art spurlos vorbeigegangen wäre.

Das Seminar findet auf Englisch mit deutscher Übersetzung statt!


Datum: 13. Juni 2015
Ort: Landpraxis in der Stille, Biggeweg 8, 33649 Bielefeld
Zeit: 10.00 - 18.00 Uhr
Kosten: 89,- Euro
Bitte vorab verbindlich unter info@dirk-grosser.de anmelden!



Mittwoch, 22. April 2015

Segen für das Sitzen unter einem Baum

(c) Smileus - fotolia.com

Die tiefen Wurzeln unter dir,
versorgend, nährend, Grund und Halt gebend –
mögen sie gesegnet sein und deinem Leben Kraft schenken.

Der breite Stamm gleich hinter dir,
stark, aufrecht, den Winden trotzend –
möge er gesegnet sein und deinem Leben Festigkeit verleihen.

Die grün belaubten Äste über dir,
voll Schönheit in den Himmel strebend, Schatten spendend –
mögen sie gesegnet sein und deinem Leben Schutz gewähren.

Mögest du den Segen dieses Baumes spüren,
dieses Lebens, das dich großzügig willkommen heißt;
dieser stille, grüne Verwandte, der dir einen Platz schenkt,
an dem du ruhen kannst, deinen Kopf auf trockenem Gras gebettet.

Und mögest du dir auch des Baumes deines Lebens gewahr sein:
den Wurzeln deiner Ahnen, die den Boden für dich bereitet haben,
dem Stamm der Freunde und Liebenden, die fest hinter dir stehen,
den Ästen, Zweigen und grünen Blättern der Kinder,
die dir nachfolgen und sich in die Weite der Zukunft austrecken.

Möge dieser Baum dich segnen,
und mögest du sein knorriges, altes Lied verstehen.




Dieser Segen entstammt meinem neuen Buch:



Dirk Grosser

Möge dein Weg gesegnet sein
Segen, die deine spirituelle Entwicklung begleiten
200 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8434-1175-2
14,95 €

Dienstag, 21. April 2015

Vortrag "Tao des Drachen"

(c) Olexandr - fotolia.com
Übermorgen, am Donnerstag, 23. April, halte ich um 19.30 Uhr einen Vortrag über das "Tao des Drachen" in der Lebensbaum Buchhandlung in Bielefeld.
Der Drache gilt in vielen asiatischen Traditionen als Sinnbild für Furchtlosigkeit, Weisheit, Vertrauen, Glück und Kraft. Sein großes Herz schlägt im Rhythmus dieser Welt, erklingt wie eine tiefe Glocke der Achtsamkeit und ruft uns in den gegenwärtigen Augenblick hinein. In diesem Vortrag geht es nicht nur um das Symbol des Drachen, sondern auch darum, wie dieses kraftvolle Bild uns helfen kann, selbst ein großes und weites Herz zu entwickeln, in dem wir mit all unseren teils gegensätzlichen Anteilen Platz haben. Ein Herz, das uns kraftvoll und gelassen in die ungeahnte Freiheit des TAO führt! Neben dem Vortrag (und Zeit für Fragen und Antworten) wird es auch meditative Elemente geben.
Würde mich freuen, die eine oder den anderen von Euch dort zu sehen und ins Gespräch zu kommen... 

 
Donnerstag, 23.April
19.30 Uhr

Vortrag Tao des Drachen
Lebensbaum Buchhandlung
Neustädter Str. 13
33602 Bielefeld

Montag, 20. April 2015

Möge dein Weg gesegnet sein

Jede Wanderung ist eine Herausforderung – und jede Wanderung hält ihre ganz eigenen Belohnungen für uns bereit: das lebendige Gefühl, unterwegs zu sein; die Landschaft, auf der unser Blick sich ausruhen kann; die Begegnungen mit anderen Wanderern, die uns an ihren Erfahrungen auf der Reise teilhaben lassen; die wohlige Schwere, die uns am Abend bei einer warmen Mahlzeit umfängt.
 

Auch unser Leben und unser spiritueller Weg sind solch eine Wanderung, bei der wir mutig einen Fuß vor den anderen setzen, ohne zu wissen, was hinter der nächsten Biegung des Pfades auf uns wartet. Es gibt Zeiten, in denen alles wie von selbst läuft, der Weg sich bequem und einladend zeigt und wir fröhlich pfeifend unterwegs sind. Dann wieder gibt es Phasen, in denen es nur mühsam vorangeht, unsere Füße bleischwer scheinen, wir uns verirren oder auf matschigem Untergrund ausrutschen und stürzen. In der Rückschau gelingt es uns manchmal, auch diesen schwierigen Zeiten etwas abzugewinnen. Wir erkennen, wie uns die Anstrengung auf andere Herausforderungen vorbereitet hat, wie wir innerlich gewachsen sind und wie uns mancher scheinbar unnötige Umweg zu Orten geführt hat, die unerwartet eine heilsame Veränderung in uns ausgelöst haben. Wenn wir auf unserer Lebensreise hin und wieder eine schöne Bank entdecken, auf der wir uns für einen Moment ausruhen können, spüren wir vielleicht, wie sich in uns eine fast zärtliche Stille ausbreitet, die uns jede Erfahrung unseres Lebens und unseres spirituellen Weges dankbar annehmen lässt. Wir erkennen, dass jeder Schritt wichtig war, um uns genau hierher zu tragen, in diesen Moment, in dieses unendliche Jetzt, das sich vor uns ausbreitet. In diesen Momenten spüren wir den Segen, der auf unserem Weg liegt, den Segen, der unser Leben begleitet. Manchmal ist unser Alltag aber so geschäftig und weit und breit keine Bank in Sicht, sodass wir umherhetzen und uns in Erlebnissen verlieren, ohne sie wirklich zu tiefen Erfahrungen werden zu lassen. Die Tage rauschen an uns vorbei, und schon wieder ist ein Jahr vergangen, von dem wir kaum etwas mitbekommen haben. Wir haben keine Zeit für vermeintliche Kleinigkeiten und bemerken deshalb nicht den Segen, der in ihnen verborgen ist.

(…)

Unsere Traditionen mögen verschieden sein, doch viele Stationen auf unseren spirituellen Wegen gleichen sich. Es gibt vermutlich für jeden Menschen sowohl Momente des Friedens und der inneren Stille als auch Momente der Unruhe und des Unwohlseins. Sie alle sind wichtige Wegmarken, die bestimmte Aspekte unseres Menschseins beleuchten und in denen stets eine Lehre verborgen ist, die nur darauf wartet, von uns entdeckt und gelebt zu werden.
Unser Weg ist niemals eindimensional, geht niemals nur geradeaus. Auch wenn sich manch einer eine bequeme Abkürzung »ins Licht« wünscht, gestaltet sich unsere menschliche Erfahrung meist anders. Sehnsucht, Mut für einen Neubeginn, Stille, Zugehörigkeit und Gemeinschaft, Zweifel, Glaube und Glaubensverlust, Enttäuschung und Befreiung, Gesundheit und Krankheit, Schwellenerfahrungen und Übergänge, Freude und Zuversicht, Dankbarkeit, Abschied – all dies und mehr ist Teil unseres Weges und macht uns zu denjenigen, die wir sind: Wanderer in der Welt, zutiefst menschlich, zutiefst verbunden, getragen von einem Geheimnis, das wir nie gänzlich zu ergründen vermögen.
Die alte Kunst des Segnens besteht darin, uns selbst die Ruhe zu gönnen, die uns genau hinsehen lässt – die jeden Moment, ganz gleich, ob wir ihn als positiv oder negativ erlebt haben, in Zusammenhang mit dem großen Ganzen stellt. Es ist eine Kunst der Achtsamkeit und eine Spiritualität der Dankbarkeit, die jede Tradition ergänzen kann und zu keinem Glauben im Widerspruch steht. Die Kunst des Segnens ist eine Mystik des Alltags, die uns zu einem tiefen Einklang mit der Welt und zu einem stillen Glück inmitten all der Schönheit unseres Heimatplaneten führt.
Ich hoffe, dass die Gedanken, die Übungen und natürlich die Segen in meinem Buch ein klein wenig dazu beitragen können, dass du sowohl den hellen als auch den dunklen Momenten deines Weges ein Lächeln schenken kannst und du spürst, wie wertvoll die Einzigartigkeit deiner Erfahrung ist.

Möge dein Weg gesegnet sein,
mögen Sonne, Regen und Wind sanft deine Haut berühren
und dich immer tiefer in das Mysterium des Augenblicks locken.
Mögest du jeden Schritt deiner Reise wertschätzen,
mögen Erde und Himmel sich in dir vereinen
und die grünen Hügel deines Lebens dich willkommen heißen.



(c) Dirk Grosser



Dieser Text ist ein Ausschnitt aus der Einleitung meines neuen Buches "Möge dein Weg gesegnet sein", das gerade erschienen ist.


Dirk Grosser

Möge dein Weg gesegnet sein
Segen, die deine spirituelle entwicklung begleiten
200 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8434-1175-2
Schirner Verlag
14,95 €



Montag, 16. März 2015

Vortrag Christliche Mystik & Kontemplation

Meine winterliche Schreibphase ist vorbei - das gibt mir den Freiraum, wieder ein paar Vorträge zu planen... Der erste findet am 26. März statt, also schon in zehn Tagen.

 
(c) Patryk Kosmider - fotolia.com

An diesem Abend werden wir uns gemeinsam die spirituelle Tradition der christlichen Mystik ansehen, ein wenig in die verborgene Geschichte der keltischen Kirche eintauchen und erste Erfahrungen mit einer Kontemplationsform machen, die uns erlaubt, tief in das Mysterium des Seins einzusinken und dort Kraft und Ruhe zu finden. Wir werden entdecken, wie Menschen in den letzten 2000 Jahren ihre persönliche Beziehung zum Göttlichen gelebt haben und dabei u.a. den Wüstenvätern und -müttern, verschiedenen irischen Mönchen, Juliana von Norwich, Meister Eckhart, Hildegard von Bingen, Franz von Assisi und auch modernen Mystikern wie Thomas Merton oder John Main begegnen. Zugleich werden wir uns darüber austauschen, wie wir selbst ein authentisches Verhältnis zum Heiligen und auch zu unserer eigenen, manchmal verschütteten, mystischen Erfahrungstradition hier in Europa aufbauen können.

Wann? 26. März 2015, 19.30 Uhr
Wo? Landpraxis in der Stille, Biggeweg 8, 33649 Bielefeld
Kosten: Spendenbasis

Bitte vorab verbindlich anmelden: info(at)dirk-grosser.de

Würde mich freuen, den einen oder anderen von Euch zu sehen und gemeinsam dieses spannende Thema zu erörtern... 
DG

Mittwoch, 11. Februar 2015

Unsere Welt

Da ich mich momentan in der Schreibphase eines neuen Buches befinde (mehr dazu demnächst hier), vernachlässige ich diesen Blog leider etwas. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten ... Versprochen! Und bis dahin gibt es immerhin ein Video, das sich anzusehen wirklich lohnt:


Sonntag, 4. Januar 2015

Segen für einen Neubeginn



(c) Tiramisu Studio - fotolia.com


Wenn dein Herz sich ein kleines Boot bauen möchte,
um über die unbekannte See zu segeln
und ferne Länder zu erkunden –
möge der Tag deines Aufbruchs gesegnet sein.

Wenn du deine Hütte abbrichst, deine Zelte schnürst,
um dich an einen anderen Ort führen zu lassen
und dort neue Wurzeln zu schlagen –
möge der Tag deines Aufbruchs gesegnet sein.

Wenn du deinen Rucksack mit dem Nötigsten bepackst,
um dich von deinen eigenen Schritten treiben zu lassen
und den kaum sichtbaren Pfaden zu folgen –
möge der Tag deines Aufbruchs gesegnet sein.

Wenn der Weg sich wie von selbst unter deinen Füßen entfaltet,
um sich am Horizont im Nebel zu verlieren
und dich immer weiter voranzulocken –
möge der Tag deines Aufbruchs gesegnet sein.

Wenn du einfach wanderst ohne Ziel,
nur um im Geheimnis der Welt unterwegs zu sein
und dich selbst ganz neu zu spüren –
mögest du deiner mutigen Verrücktheit und dem Leben in dir
ein Lächeln schenken.

Möge dein Weg gesegnet sein
und du wissen, dass du niemals verloren gehen kannst.

(c) Dirk Grosser



 Ich hoffe, dieser Segen kann Euch bei allen neuen Anfängen in diesem Jahr begleiten. Und wer mehr über die Kunst des Segnens erfahren möchte, den möchte ich auf meinen Vortrag am 15. Januar in der Lebensbaum Buchhandlung in Bielefeld (bitte unbedingt vorher dort anmelden) und den Segenstag am 24. Januar in der Landpraxis in der Stille (ebenfalls Bielefeld) hinweisen. Weitere Infos unter: Termine.
Mein neues Buch "Möge Dein Weg gesegnet sein" erscheint übrigens im April.



Mittwoch, 10. Dezember 2014

Segen für die Advents- und Weihnachtszeit

(c) Robert fudilo - fotolia.com

Mögen lange Winterabende dir Ruhe und Einkehr schenken,
dich achtsam auf das leise Atmen der Welt lauschen lassen
und dein Herz für das zarte Geheimnis immer wiederkehrenden Lebens öffnen.

Mögen Nebel und Schneetreiben deine Augen nach innen lenken,
wo das Licht einer einzelnen Kerze sich spiegelt
und das wirklich Wichtige in ihren sanften Schein hüllt:
Das Staunen der Kinder, die Brücken der Versöhnung, das Heilige eines jeden Moments.

Mögen jeder auf Schnee knarrende Schritt und jeder freundliche Blick
dich an die vielen kleinen Dinge erinnern, die uns menschlich machen,
und die dich deine eigene Großartigkeit und Schwäche
ebenso wie die deines Nächsten umarmen lassen.

Möge der Frieden stiller Nächte dein Heim erfüllen
und dir Zeit schenken für tiefe Gedanken,
die dich nähren und auf deinem Weg weiterführen.

Mögest du ein Leuchten in der Dunkelheit erkennen,
ein Leuchten zwischen den Menschen, dessen Wärme jeden Frost überwindet
und das dich auch an jene denken lässt,
deren Leben weniger vom Glück beschienen ist als deines.

Mögest du Zeit haben für Erinnerungen an Momente,
die dein Innerstes angerührt und dir gezeigt haben,
dass auch die kleinste Geste einen großen Unterschied macht
und dass Hände dazu gemacht sind, sie einander zu reichen.

Möge die Schönheit des Raureifs am frühen Morgen
deine Augen für das Licht der wieder länger werdenden Tage öffnen
und deine Seele für das Wunder bereitmachen.

Mögest du das goldene Rund der Sonne begrüßen,
das die Vögel und Eichhörnchen hervorlockt,
deren scheinbar grundlose Freude am bloßen Sein
ein ganz eigenes Gebet zu singen vermag.

Möge der kalte Wind dir von seiner weiten Reise erzählen,
von den Menschen und Tieren, von den Bergen und Bäumen,
von den Flüssen, Meeren, Seen und Steinen,
deren Zuhause er ebenso wie deines berührt hat.

Möge dein Leben in diesen Tagen den Geist der wahren Weihnacht atmen,
ganz gleich, welcher Tradition du folgst oder welchen Glauben du teilst.
Möge dir mit jedem Atemzug bewusst werden,
dass das Göttliche in uns geboren werden möchte
und dass seine Geburtshelfer Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit sind.

© Dirk Grosser

Dienstag, 11. November 2014

Der Tanz des Drachen

Tanz ist sicherlich eine der ältesten rituellen Formen der Verbindung mit der Welt und dem Göttlichen. Gerade in schamanischen Kulturen wurde und wird der Tanz dazu benutzt, in Trance zu geraten, unser Alltagsbewusstsein hinter sich zu lassen und mit der Geistigen Welt in Kontakt zu kommen. Auch die tänzerische Darstellung von Mythen und Mysterien, meist in Verbindung mit Masken, ist von Nordamerika über die Mongolei und Tibet bis nach Südostasien und Afrika auf der ganzen Welt verbreitet. Und in manchen heutigen schamanischen Traditionen gibt es auch den Krafttiertanz, der uns mit den tierischen Geistführern der Anderswelt verbindet und uns in ihre Kraft eintauchen lässt.
Im Tanz verschafft sich unsere Seele über unseren Körper Ausdruck. Wir geben die bewusste Kontrolle durch unseren Intellekt ab und lassen uns in die Musik, in den Rhythmus fallen. Unser Körper übernimmt die Führung und agiert die Sehnsüchte, die Freude oder den Schmerz unserer Seele aus. Der Filter unseres Verstandes, unsere Selbstzensur fällt weg. Wir sind ganz pur. Ganz wir. Ganz und immer in Verbindung mit allem. Das ist es, was das Tao und die Drachen uns lehren.

Hier eine Hörprobe meiner neuen CD, die passend zum Buch "Das Tao des Drachen" erschienen ist ...




Übrigens: Live-Trommeln gibt es wieder beim Drachenkraft-Seminar am 07. und 08. März 2015 in Mühlheim am Main. Mehr unter TERMINE!

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Schirner Tage 2014


Vom 31. Oktober bis zum 02. November finden die Schirner Tage statt, bei denen ich auch wieder dabei sein werde. Würde mich freuen, ein paar von Euch dort an meinem Stand zu treffen, ins Gespräch zu kommen und Euch bei meinen Veranstaltungen auf der Messe zu sehen!

Freitag, 14.40 Uhr - Bühne 2
Trommeln, Didgeridoo & Flöten (gemeinsam mit Namakua Pedro Bley)
Wie schon im letzten Jahr werden Namakua und ich wieder zusammen Musik machen...

Samstag, 16.10 Uhr - Bühne 2
Segenswünsche – Die Spiritualität der kleinen Dinge
Die keltische Tradition der Segenswünsche richtet sich auf die vielen kleinen Dinge unseres Lebens: das Anzünden des Kamins, die Zubereitung unseres Essens, das Reparieren von Spielzeug, einen Spaziergang durch den Wald oder am Hafen entlang, der Besuch von Freunden …
In diesem Vortrag geht es um die Praxis der Segenswünsche, die uns immer wieder die Fülle vor Augen führt, welche in jedem Moment unseres Alltags gegenwärtig ist.

Samstag, 18.20 Uhr - Zelt 2
Seelenflöte - Heilende Töne für die Welt
Diesen Auftritt von Namakua, der Flöten aus aller Welt spielt, unterstütze ich mit sanften Tönen auf der Rahmentrommel.

Sonntag, 12.00 Uhr - Bühne 2
Furchtlos unser wahres Selbst leben – Unser Drachenherz schlagen lassen
Der Drache gilt in vielen asiatischen Traditionen als Sinnbild für Furchtlosigkeit, Weisheit, Vertrauen, Glück und Kraft. Sein großes Herz schlägt im Rhythmus dieser Welt, erklingt wie eine tiefe Glocke der Achtsamkeit und ruft uns in den gegenwärtigen Augenblick hinein. In diesem Vortrag geht es nicht nur um die Energie der Drachen, sondern auch darum, wie wir solch ein Drachenherz in uns selbst entdecken können – ein weites Herz, in dem wir mit all unseren teils gegensätzlichen Anteilen Platz haben und so furchtlos unser wahres Selbst leben. Ein Drachenherz, das uns kraftvoll und gelassen in eine ungeahnte Freiheit führt!

Meine weiteren Termine außerhalb der Schirner Tage findet Ihr HIER.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Die Erde berühren

(c) canta38 - fotolia.com
Einmal im Leben sollte der Mensch sich auf seine Erinnerung an die Erde konzentrieren. Er sollte sich einer bestimmten von ihm erfahrenen Landschaft hingeben, sie aus so vielen Blickwinkeln wie möglich betrachten, über sie staunen, über sie nachdenken.
Er sollte sich vorstellen, wie er sie zu jeder Jahreszeit mit den Händen berührt, und den Geräuschen lauscht, die auf ihr laut werden. Er sollte sich die Lebewesen dort vorstellen und all die kleinen Regungen des Windes. Er sollte sich auf den Glanz des Mondes besinnen und auf die Farben der Morgen- und Abenddämmerung.


N. Scott Momaday, geb. 1934, amerikanisch-indigener Schriftsteller vom Stamm der Kiowa. Das Zitat ist dem Buch "Arktische Träume" von Berry Lopez entnommen, erschienen im btb-Verlag.

Donnerstag, 25. September 2014

Der Frieden wilder Wesen


(c) PilensPhoto - fotoloia.com

Wann immer ich verzweifle an der Welt
und nachts beim leisesten Geräusch erwache,
aus Angst um mein und meiner Kinder Leben,
dann gehe ich dorthin, wo die große Echse
in ihrer Schönheit auf dem Wasser ruht
und wo der Silberreiher fischt.

Dann finde ich den Frieden wilder Wesen,
die nicht ihr Leben schmälern durch Sorge.
Ich spüre die Gegenwart des stillen Wassers
und sehe über mir die Sterne, unsichtbar am Tage,
in ihrem Licht wartend.
Für eine Weile ruhe ich in der Erhabenheit der Welt
– und bin frei.

Wendell Berry, The Peace of Wild Things

Donnerstag, 11. September 2014

Furchtlos unser wahres Selbst leben

Der asiatische Drache als Symbol für Ganzheit und Zugehörigkeit


(c) lily-fotolia.com
Ein gewaltiges Wesen mit dem Körper einer Schlange, der Mähne eines Löwen, den Klauen eines Adlers und dem Geweih eines Hirsches. In seinem Bauch das Lachen der Welt, in seinen Augen goldene Funken des gegenwärtigen Moments. Weisheit und Wärme in seiner Stimme, Frieden und Freude in seinem Lied. In einem Augenblick ruhig und von tiefer Stille erfüllt wie ein Fels, im nächsten sich absichts- und mühelos in die Lüfte schwingend. Der asiatische Drache ist Symbol der Naturkräfte in ihrem freien Spiel und somit gleichzeitig Symbol der Kräfte, die in uns lebendig sind oder vielleicht teilweise schlummern und darauf warten, geweckt zu werden.

Er ist ganz er selbst. Furchtlos nimmt der Drache seinen Platz ein, gibt sich dem Rhythmus des Lebens und der Jahreszeiten hin, fließt wie ein Fluss und liebt den Morgennebel ebenso sehr wie die Abenddämmerung. Er gleitet durch den Himmel ohne eine Spur zu hinterlassen, nimmt achtsam alles wahr, was ihn umgibt und was in ihm vorgeht, sieht und spürt das Tao in der Welt wirken, und weiß, dass er nicht getrennt ist von dem großen Geheimnis, das alles Leben hervorbrachte. Sein Flug durch die Wolken bringt den Menschen und ihren Feldern den ersehnten Regen – doch macht er dies nicht, weil er meint, eine Aufgabe erfüllen zu müssen, sondern einfach, weil es seiner Natur entspricht. Es ist seine Art, zu fliegen und zu spielen, zu ruhen und zu atmen, zu sehen und zu lieben.
Sein Wesen der gelassenen Stärke und humorvollen Güte erinnert uns Menschen daran, was es heißt, ein Teil der Natur zu sein. Auch wir können in dieser Weise unsere innere Mitte finden und furchtlos unser wahres Selbst leben.

Das Herz eines Drachen
Wir können die sein, die wir wirklich sind, mit allem, was zu uns dazugehört. Mit all der natürlichen Würde, die jedem Menschen innewohnt, können wir unseren Platz in dieser Welt einnehmen. Wie ein Drache können wir einfach da sein, ohne uns für irgendetwas zu schämen oder etwas verstecken zu müssen. Jede unserer inneren und äußeren Narben hat ihre Geschichte, ist Teil unseres Selbst, erzählt von unserer Wirklichkeit. Aus unseren Verletzungen, aus den Rissen, die unseren Herzen vom Leben zugefügt wurden, scheint ein Licht, das eine große Schönheit offenbaren kann. Meist haben wir Angst, dass jemand diese Risse entdeckt. Und so versuchen wir uns zu verstecken, wegzulaufen, Masken aufzusetzen, uns zu verstellen und jemand anderes darzustellen als wir wirklich sind.
Fast jeder hat diesen Impuls. Doch wenn wir unsere Risse in unseren Herzen nicht offenbaren, ist auch das Licht unsichtbar. Wenn wir in uns Mauern errichten, die andere von unseren Verletzungen fern halten sollen, ist in uns nur Schatten und Düsternis. Doch wenn wir unsere Wunden nicht verstecken, kann unser Licht strahlen. So liegt in unseren Wunden unsere größte Stärke verborgen.
Je mehr wir uns mit unseren Wunden anfreunden, desto stärker kann unser Licht leuchten, desto heller wird es in unserer Umgebung, desto besser können wir den Weg erkennen, desto eher finden wir unser wahres Zuhause. Vom Symbol des Drachen können wir lernen, uns ganz zu zeigen – und dadurch ganz zu werden. Unsere Menschlichkeit, unsere Verletzlichkeit und unser Mitgefühl sind unser schönster Schmuck. Wir können zulassen, dass andere Menschen in unseren Augen etwas entdecken, das auch in ihnen selbst verborgen ist und angenommen werden möchte.
Ein offenes Herz ist ein Drachenherz! Es riskiert, verletzt zu werden, es ist ein lebendiges Herz. Wenn wir uns stets verstecken, dann tun wir nur so, als ob wir leben würden. Wer liebt, offenbart sich und macht sich verwundbar – aber aus Angst nicht zu lieben, ist ein großer Fehler. Unser Herz wird niemals entzweibrechen und zerstört werden. Es bekommt Löcher und Risse, wird deformiert und geschunden, aber mit jeder dieser Verletzungen wird das innere Licht immer sichtbarer und unser Herz immer schöner. Ein furchtloses Drachenherz wird auf diese Weise vielleicht verletzt, doch es wird durchströmt von der Welt, es atmet die Welt, fühlt die Welt. Es wird mit jedem Tag kräftiger und findet immer mehr seinen Platz im Wunder dieses unergründlichen Lebens.

Die Schönheit jedes Augenblicks
Der Drache existiert jenseits unseres Intellekts, und eine Begegnung mit ihm erschüttert unsere Welt, die wir mittels unserer Gedanken sicher eingezäunt glaubten. Der Drache weckt uns auf, lockt uns aus unserem Denken, das alles analysiert und in Schubladen steckt, hinaus in das Geheimnis des Augenblicks. Wenn wir dies wirklich wahrnehmen können, blicken wir voller Staunen auf eine Welt, die auf tiefster Ebene mit uns verbunden ist. Wir erblicken die Schönheit, die uns in jedem Moment umgibt – und Schönheit ist nicht zu verstehen und nicht zu hinterfragen. Wir blicken zu den Sternen auf und ahnen etwas von dem Segen, den sie in jeder Nacht über uns ausbreiten. Wir sehen nach oben und das Tao vergießt durch unsere Augen Tränen über so viel Schönheit. Und wenn die Sterne uns sehen können, werden sie ebenfalls über unsere Schönheit, über unser mutiges und offenes Drachenherz  und die schlichte Tatsache, dass es uns gibt, erstaunt sein. So sind wir alle im Tao aufgehoben und Teil desselben Segens, der unaufhörlich wirkt.
Wie ein Drache können auch wir das Tao in allen Dingen vernehmen, die Stille in uns reifen lassen, dem Weg der Natur folgen und Himmel und Erde in uns vereinen.
Der Drache, den wir in uns selbst finden können, ist das kraftvolle und lebendige Gegenteil der Entfremdung.

Möge der Herzschlag des Drachen
uns den Rhythmus der Welt zeigen.
Mögen wir einstimmen in das große Lied,
das seit Anbeginn aller Zeiten ertönt,
und mögen wir den Mut und die Kraft finden,
unseren ganz eigenen Weg in Einklang mit Allem zu gehen.
Mögen wir eine ganz besondere Note in der Melodie des Tao sein,
die leise über Seen und Wälder schwebt,
den Ruf des Kranichs und die Stille der Berge erfüllt
und die niemals, niemals enden wird.



Dirk Grosser
Das Tao des Drachen
Furchtlos unser wahres Selbst leben
232 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8434-1152-3
14,95 €


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