Donnerstag, 11. September 2014

Furchtlos unser wahres Selbst leben

Der asiatische Drache als Symbol für Ganzheit und Zugehörigkeit


(c) lily-fotolia.com
Ein gewaltiges Wesen mit dem Körper einer Schlange, der Mähne eines Löwen, den Klauen eines Adlers und dem Geweih eines Hirsches. In seinem Bauch das Lachen der Welt, in seinen Augen goldene Funken des gegenwärtigen Moments. Weisheit und Wärme in seiner Stimme, Frieden und Freude in seinem Lied. In einem Augenblick ruhig und von tiefer Stille erfüllt wie ein Fels, im nächsten sich absichts- und mühelos in die Lüfte schwingend. Der asiatische Drache ist Symbol der Naturkräfte in ihrem freien Spiel und somit gleichzeitig Symbol der Kräfte, die in uns lebendig sind oder vielleicht teilweise schlummern und darauf warten, geweckt zu werden.

Er ist ganz er selbst. Furchtlos nimmt der Drache seinen Platz ein, gibt sich dem Rhythmus des Lebens und der Jahreszeiten hin, fließt wie ein Fluss und liebt den Morgennebel ebenso sehr wie die Abenddämmerung. Er gleitet durch den Himmel ohne eine Spur zu hinterlassen, nimmt achtsam alles wahr, was ihn umgibt und was in ihm vorgeht, sieht und spürt das Tao in der Welt wirken, und weiß, dass er nicht getrennt ist von dem großen Geheimnis, das alles Leben hervorbrachte. Sein Flug durch die Wolken bringt den Menschen und ihren Feldern den ersehnten Regen – doch macht er dies nicht, weil er meint, eine Aufgabe erfüllen zu müssen, sondern einfach, weil es seiner Natur entspricht. Es ist seine Art, zu fliegen und zu spielen, zu ruhen und zu atmen, zu sehen und zu lieben.
Sein Wesen der gelassenen Stärke und humorvollen Güte erinnert uns Menschen daran, was es heißt, ein Teil der Natur zu sein. Auch wir können in dieser Weise unsere innere Mitte finden und furchtlos unser wahres Selbst leben.

Das Herz eines Drachen
Wir können die sein, die wir wirklich sind, mit allem, was zu uns dazugehört. Mit all der natürlichen Würde, die jedem Menschen innewohnt, können wir unseren Platz in dieser Welt einnehmen. Wie ein Drache können wir einfach da sein, ohne uns für irgendetwas zu schämen oder etwas verstecken zu müssen. Jede unserer inneren und äußeren Narben hat ihre Geschichte, ist Teil unseres Selbst, erzählt von unserer Wirklichkeit. Aus unseren Verletzungen, aus den Rissen, die unseren Herzen vom Leben zugefügt wurden, scheint ein Licht, das eine große Schönheit offenbaren kann. Meist haben wir Angst, dass jemand diese Risse entdeckt. Und so versuchen wir uns zu verstecken, wegzulaufen, Masken aufzusetzen, uns zu verstellen und jemand anderes darzustellen als wir wirklich sind.
Fast jeder hat diesen Impuls. Doch wenn wir unsere Risse in unseren Herzen nicht offenbaren, ist auch das Licht unsichtbar. Wenn wir in uns Mauern errichten, die andere von unseren Verletzungen fern halten sollen, ist in uns nur Schatten und Düsternis. Doch wenn wir unsere Wunden nicht verstecken, kann unser Licht strahlen. So liegt in unseren Wunden unsere größte Stärke verborgen.
Je mehr wir uns mit unseren Wunden anfreunden, desto stärker kann unser Licht leuchten, desto heller wird es in unserer Umgebung, desto besser können wir den Weg erkennen, desto eher finden wir unser wahres Zuhause. Vom Symbol des Drachen können wir lernen, uns ganz zu zeigen – und dadurch ganz zu werden. Unsere Menschlichkeit, unsere Verletzlichkeit und unser Mitgefühl sind unser schönster Schmuck. Wir können zulassen, dass andere Menschen in unseren Augen etwas entdecken, das auch in ihnen selbst verborgen ist und angenommen werden möchte.
Ein offenes Herz ist ein Drachenherz! Es riskiert, verletzt zu werden, es ist ein lebendiges Herz. Wenn wir uns stets verstecken, dann tun wir nur so, als ob wir leben würden. Wer liebt, offenbart sich und macht sich verwundbar – aber aus Angst nicht zu lieben, ist ein großer Fehler. Unser Herz wird niemals entzweibrechen und zerstört werden. Es bekommt Löcher und Risse, wird deformiert und geschunden, aber mit jeder dieser Verletzungen wird das innere Licht immer sichtbarer und unser Herz immer schöner. Ein furchtloses Drachenherz wird auf diese Weise vielleicht verletzt, doch es wird durchströmt von der Welt, es atmet die Welt, fühlt die Welt. Es wird mit jedem Tag kräftiger und findet immer mehr seinen Platz im Wunder dieses unergründlichen Lebens.

Die Schönheit jedes Augenblicks
Der Drache existiert jenseits unseres Intellekts, und eine Begegnung mit ihm erschüttert unsere Welt, die wir mittels unserer Gedanken sicher eingezäunt glaubten. Der Drache weckt uns auf, lockt uns aus unserem Denken, das alles analysiert und in Schubladen steckt, hinaus in das Geheimnis des Augenblicks. Wenn wir dies wirklich wahrnehmen können, blicken wir voller Staunen auf eine Welt, die auf tiefster Ebene mit uns verbunden ist. Wir erblicken die Schönheit, die uns in jedem Moment umgibt – und Schönheit ist nicht zu verstehen und nicht zu hinterfragen. Wir blicken zu den Sternen auf und ahnen etwas von dem Segen, den sie in jeder Nacht über uns ausbreiten. Wir sehen nach oben und das Tao vergießt durch unsere Augen Tränen über so viel Schönheit. Und wenn die Sterne uns sehen können, werden sie ebenfalls über unsere Schönheit, über unser mutiges und offenes Drachenherz  und die schlichte Tatsache, dass es uns gibt, erstaunt sein. So sind wir alle im Tao aufgehoben und Teil desselben Segens, der unaufhörlich wirkt.
Wie ein Drache können auch wir das Tao in allen Dingen vernehmen, die Stille in uns reifen lassen, dem Weg der Natur folgen und Himmel und Erde in uns vereinen.
Der Drache, den wir in uns selbst finden können, ist das kraftvolle und lebendige Gegenteil der Entfremdung.

Möge der Herzschlag des Drachen
uns den Rhythmus der Welt zeigen.
Mögen wir einstimmen in das große Lied,
das seit Anbeginn aller Zeiten ertönt,
und mögen wir den Mut und die Kraft finden,
unseren ganz eigenen Weg in Einklang mit Allem zu gehen.
Mögen wir eine ganz besondere Note in der Melodie des Tao sein,
die leise über Seen und Wälder schwebt,
den Ruf des Kranichs und die Stille der Berge erfüllt
und die niemals, niemals enden wird.



Dirk Grosser
Das Tao des Drachen
Furchtlos unser wahres Selbst leben
232 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8434-1152-3
14,95 €


Das Buch ist ab sofort in jeder Buchhandlung und natürlich direkt beim Verlag erhältlich.



Freitag, 5. September 2014

Ein lebendiges Universum

(c) kentauros - fotolia.com
Wir leben in einem lebendigen Universum, das sich von Augenblick zu Augenblick als vereintes Ganzes zeigt. Das Universum ist eine lebende Einheit, die ständig von dem Durchfluss enormer Energiemassen erhalten wird, und das in einem unsagbar riesigen und äußerst lebendigen Prozess der unglaublichen Präzision und Kraft. Wir sind Wesen, die vom Universum genauso bewohnt werden, wie wir Wesen sind, die das Universum bewohnen. Die Einheit der Existenz ist (...) ein sich ständig manifestierender Zustand, der nur darauf wartet, von uns erkannt und ins Bewusstsein gerufen zu werden. Die "Macht des Jetzt" kommt durch die Tatsache, dass das ganze Universum als ein extrem präziser Fluss im Jetzt auftritt. Wenn wir uns im Jetzt befinden, reiten wir auf der Welle der fortwährenden Schöpfung. Jeder Moment ist eine brandneue Bildung des Universums, die nahtlos und makellos aufsteigt. 
Duane Elgin, Das lebende Universum, Seite 91


Wir tragen das Universum in unserem Wesen, so wie das Universum uns in seinem Wesen trägt. Beides ist dem anderen gegenüber absolut präsent, und auch dem tieferen Geheimnis gegenüber, aus dem das Universum und wir selbst entstanden sind. 
Thomas Berry, The Dream of the Earth, Seite 132

Freitag, 29. August 2014

Richard Rohr und das Wahre Selbst

Heute mal ein Beitrag aus dem christlichen Bereich. Vor einiger Zeit las ich das großartige Buch "Das Wahre Selbst" von Richard Rohr, einem von mir sehr geschätzten Franziskanerpater aus den USA. Selten habe ich so viel Erhellendes in einem Buch angestrichen! Hier ein kurzer Ausschnitt:

Es gibt etwas in Ihnen, das vom Kommen und Gehen, vom Auf und Ab, vom Für und Wider und von dem lautstarken Streit der Teams des ganz und gar Richtigen und des ganz und gar Falschen nicht berührt wird. Es gibt etwas in Ihnen, das sehr geduldig ist, das Gut und Böse gleichermaßen zum Vorschein kommen lässt, genau wie Gott. Es gibt etwas in Ihnen, das nicht vorschnell urteilt. Es steht wachsam und geduldig in der tragischen Kluft, die sich in fast jedem Augenblick auftut. Es ist ein Flussbett der Barmherzigkeit. Es ist riesengroß, still und ruhig und hat viele Ressourcen. Es ist fähig zu empfangen und alles Kommen und Gehen loszulassen. Es ist die Bewusstheit selbst, nicht nur "Denken". Es weigert sich, in das Gezerre von Gedanken und Gefühlen hineingezogen zu werden, die die Kämpfe unseres Lebens ausmachen, bis es vorüber und für immer vorbei ist. Wenn wir von Kontemplation sprechen, meinen wir den Blick aus dieser unberührten Stille. In ihrem Buch Die innere Burg sagt die heilige Teresa von Ávila: "Die Seele ist geräumig, üppig, und ihre Bandbreite ist kaum zu überschätzen ... Die Sonne scheint in jeden Winkel ... und nichts kann ihre Schönheit verringern." Da ist von Ihrer Seele die Rede! Von Gott in Ihnen. Von Ihrem Wahren Selbst.

Richard Rohr, Das Wahre Selbst, S. 43

Sonntag, 24. August 2014

Neue Meditations-CD für Kinder!

Gerade erschienen: "Abenteuer-Reisen. Meditationen, die Jungen stark machen". Vier geführte Fantasiereisen aus unserem Buch "Du bist nie allein!" - Der alte Indianer und das große Lied des Lebens, Der Weg durch den Dschungel, Safari für Mutige und Ein Besuch bei der Schildkröte. Viel Spaß beim Hören & gute Reise!


Montag, 4. August 2014

Und wieder mal Watts ...

Es mag genügen, wenn wir sagen, die allgemeine, hinter Tao stehende Idee ist die von Wachstum und Bewegung. Es ist der Lauf der Natur, das Prinzip, das den Wechsel herbeiführt und regiert, der unablässige Fortgang des Lebens, das keinen Augenblick stillehält. Dem Taoismus gilt dasjenige, was absolut stillsteht oder absolut vollkommen ist, für absolut tot; denn ohne die Möglichkeit von Wachstum und Wechsel kann es kein Tao geben. In Wirklichkeit findet sich in der ganzen Welt nichts, was ganz vollkommen wäre oder völlig stillstände. Nur im menschlichen Denken sind solcherlei Vorstellungen aufgekommen, und es sind just jene Vorstellungen, die, nach der Lehre des Taoismus, dem menschlichen Elend zugrunde liegen. Denn der Mensch klammert sich an Dinge, in der eitlen Hoffnung, sie möchten unverändert und vollkommen bleiben; er mag sich mit dem tatsächlichen Wechsel nicht abfinden; er will dem Tao seinen Lauf nicht lassen.

Alan Watts, Vom Geist des Zen


Samstag, 17. Mai 2014

Wer erzieht hier wen?

Von Kindern das Wesentliche im Leben lernen

Jede größere Buchhandlung verfügt mittlerweile über ein ganzes Regal mit Erziehungsratgebern. Hier kann man sich mehr oder minder kompetente Hilfe zu allen Fragen holen, die das Leben mit Kindern so mit sich bringt: Was sollen sie essen? Wann sollen sie schlafen? Wie reagiere ich auf Trotz? Wie setze ich Grenzen? Wie begegne ich den Schrecken der Pubertät? Die Liste der Fragen scheint endlos wie die Bücher in den Regalen. Alles dreht sich darum, was wir Kindern beibringen können oder nach Meinung der Autoren beibringen sollen.
Wenn ich ehrlich bin, stellen sich mir oft ganz andere Fragen. Wenn ich fünf Stunden mit meinen Kindern als Regenbogen-Pony durch den Feenwald gekrochen bin oder wir auf Expedition im Playmobil-Dschungel waren, merke ich, dass sie sich in dem gemeinsamen Spiel nahezu selbst erziehen, sich moralische Fragen beantworten, ihr Wissen vermehren, ihre soziale Kompetenz ausbauen, ihre Fantasie lebendig halten und vor allem offen für Wunder bleiben. Und da kommt dann meine Frage ins Spiel: Wie kann ich ein ebenso großartiger Mensch wie meine Kinder werden?


(c) pressmaster - fotolia.com
Ich glaube fest daran, dass meine Kinder mir weitaus mehr beibringen, als ich ihnen jemals beibringen könnte. Ihr Glück ist ansteckend, ihre Faszination dem Leben und allen Formen des Lebens gegenüber ist beispielhaft. Sie sind wie sie sind, völlig unverstellt, und ihre Tugenden zeigen sich so natürlich wie ein Regenschauer, ein Kieselstein oder eine umherbrummende Hummel. Ihre Liebe teilen sie großherzig mit Menschen, Tieren und Stofftieren. Sie haben immer Zeit, sind nie in Eile – und ein schillernder Käfer auf der Hand ist immer noch viel interessanter und wichtiger als alles andere.
Manchmal habe ich das Gefühl, ihr Leben ist eine einzige Achtsamkeitsmeditation, denn ihre Augen, ihre Herzen und ihre Seelen sind offen für die Welt, ohne dass vorgefasste Meinungen ihre Wahrnehmung verzerren.
Henry David Thoreau hat einen schönen Satz geprägt, der das, wovon ich hier spreche, schön zusammenfasst: „Um zur totalen Wahrnehmung eines Gegenstands zu gelangen, muss ich ihn zum tausendsten Mal als etwas völlig Fremdes in den Blick fassen.“
Genau das ist es, was wir – neben vielen anderen Dingen – von unseren Kindern lernen können. Sehen ohne zu wissen. Staunen ohne einzuordnen.
Wenn ich es mir recht überlege und es provokativ in Worte fassen möchte, könnte ich sagen, dass meine ganze Meditationspraxis eigentlich nur dazu dient, den einzigartigen Blick meiner Kinder nachzuahmen.
Sie sind ehrwürdige Meisterinnen, die gern rennen und hüpfen und rosafarbene Frottee-Schlafanzüge mit Ponys und Sternchen tragen. Sie sind ständig umgeben von einer wilden Horde aus Bären, Affen, Hunden, Löwen und Pferden. Sie sind Forscherinnen, Abenteurer, Tierärztinnen, Astronauten, Elfen, Zwerge, Orang-Utans, Baby-Tiger und Jedi-Ritter. Ein Kochlöffel in ihrer Hand verwandelt sich in Sekunden von einem Schwert in ein Stethoskop oder den Zauberstab einer Feenkönigin.
Dann rennen draußen die Rehe vorbei – und sie stehen am Fenster, völlig absorbiert, aufgelöst im Schauen...

Die Kinder sind fort. Beobachter und Objekt der Beobachtung werden eine Einheit, nur für einen Augenblick, in dem der Geist ganz frei wird. Doch dieser Augenblick ist neu, ist frisch und unbelastet. Der Geist ist Raum. Er ist einfaches Sein im Prozess des Schauens. Eine Teilhabe an etwas Außergewöhnlichem, was so niemals wiederkehren wird und welches den Zauber des gegenwärtigen Moments in sich trägt.

Dieses kindliche Staunen ist die Kunst der absichtslosen Beobachtung.
Befreit von allen kulturellen und traditionellen Schranken dringt sie zur Essenz der Meditation vor: Sehen!
Sehen mit neuen Augen, ohne dass unser Gehirn gleich eine Geschichte um das Gesehene herum spinnt. Einfach wahrnehmen, was ist. Ohne Vorurteile, ohne vorgefertigtes Wissen. Nichts muss in Schubladen und Kategorien eingeordnet werden, alles kann so bleiben wie es ist. Die Welt kann sich in ihrer wahren Gestalt zeigen.

Geht da nicht genug vor sich, wenn ich achtsam lausche und beobachte? In jedem Augenblick, bereit, neu entdeckt zu werden? Die Heizung macht Geräusche, ein Hund bellt, ein Trecker fährt vorbei...
Müssen wir die Konzentration auf etwas Besonderes fokussieren? Was wollen wir kontrollieren?
Können wir innehalten und einfach in unsere Abfolge von Denken und Reagieren hineinlauschen, wie sie sich jeden Moment in uns offenbart? Können wir unsere Gefühle direkt wahrnehmen ohne den Umweg über das Denken?
Ist es möglich, in offenem Gewahrsein zu hören und zu sehen? Können wir sein wie Kinder? Können wir erkennen, dass wir es sind, die zu lernen haben?

Wenn ich mit meinen Töchtern und den Hunden einen Spaziergang mache, bleiben wir naturgemäß oft an einem Baum stehen. (Um ehrlich zu sein: an jedem Baum!) Äste, Blätter, Eicheln, das Wispern des Windes im Grün.
Ich merke, wie mein Gedanken-Radio sich selbständig macht und vor sich hin plärrt: Wie lange steht er schon hier? Was hat er schon erlebt? Und abstrakter, weil ich das so gerne mag: Was ist sein Wesen? Ist er geschaffen? Oder hat er sich einfach aus dem Sein heraus entfaltet?
Für einen Erwachsenen ist dieser Baum vielleicht die Schöpfung Gottes, ein Teil der Lunge unserer Erde oder ein zusammengesetztes, unbeständiges und vergängliches Etwas, vielleicht auch einfach nur eine Ansammlung von Molekülen oder soundso viel Raummeter Holz.
Meine Töchter sind weiser und machen sich solche Gedanken nicht. Sie sehen den Baum als Baum. So wie er ist. In seinem eigenen So-Sein.
Können auch wir sehen, ohne wissen zu wollen? Einfach wahrnehmen?
Können wir jetzt unsere neuen Augen öffnen und eine neue Welt sehen?


Wie meine Töchter mich sehen ...
Eins ist mir klar geworden, seitdem ich Kinder habe: Je mehr Theorie und Konzept, desto weniger Welt! Je verkopfter wir der Welt begegnen, desto mehr entzieht sie sich uns! Und mit jedem Tag, den ich mit meinen Kindern verbringe, zeigt sich mir, was ich alles noch zu lernen habe. Zu meinem großen Glück lesen Kinder keine Erziehungsratgeber, die ihnen Tipps zum Umgang mit ihren eher begriffsstutzigen Eltern geben – so gibt es kein Lernprogramm, keinen festen Ablauf, keinen Erfolgsdruck… Kinder sind dem ursprünglichen Sein so nah, dass sie völlig auf die natürliche Entfaltung vertrauen. Wenn wir uns darauf einlassen, können wir mit ihnen in einem Raum sein, in dem sich die Lektionen selbst lehren. Für sie und für uns…

Irgendwann habe ich den beiden mal ein Buch mit dem Titel „Gott, Allah, Buddha. Und woran glaubst du?“ vorgelesen.
Und als ich ihnen diese Frage des Buchtitels stellte, überlegten sie kurz und eine von ihnen sagte dann freudestrahlend: „An Zöpfe!“
Näher kann man der Erleuchtung wohl nicht kommen...


DG
   


Danke an Christiane Schöniger vom Magazin SpiritLive, die meinen Artikel in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht hat.

Freitag, 4. April 2014

Teil des großen Kreises sein

(c) byheaven - fotolia.com
Symbol eines Lebens im Einklang mit der Natur war und ist für mich immer der Kreis. Die Nester der Vögel, der Lauf des Jahres, unser eigenes Leben – alles ist rund, verläuft kreisförmig, ist in sich ganz und doch Teil von etwas viel Größerem. Meditation und Gebet, schamanische Reisen, achtsame Wanderungen, Schauen und Lauschen laden uns ein, diesen Kreis bewusst zu betreten und unsere Hände unseren Nächsten zu reichen, die Beseeltheit von allem anzuerkennen. Leben im Einklang mit der Natur bedeutet für mich, uns in das große Rund des Lebens einzufinden, als Teil eines Familienkreises mit unseren Brüdern und Schwestern aus den Menschen-, Tier- und Pflanzenreichen in Harmonie zu existieren und allem, was ist, mit Liebe und Achtung zu begegnen.

Eine tiefe Spiritualität befindet sich im Kreis des Lebens und nicht außerhalb. Deshalb ist sie an ökologischen Fragen ebenso interessiert wie an Fragen, die das eigene Selbst und seine Entfaltung betreffen. Alles greift ineinander und wird wertgeschätzt. Der amerikanische Physiker Brian Swimme, der selbst indianische Vorfahren hat, weist nachdrücklich darauf hin, dass die Erkenntnis der Einheit allen Seins unser angestrebtes Ziel sein sollte: „Die irdische Gemeinschaft als Ganzes muss als unsere Heimat begriffen werden, als Mutterschoß von Schöpferkraft und Leben.“

Dieser Mutterschoß als Ursprung des Kreises ist es, der uns und alles, was ist, wächst, wird und wieder vergeht, hervorbringt. In diesem Kreis begegnen sich Männer und Frauen gleichwertig, hier sind Kinder und Erwachsene auf Augenhöhe, hier sind Tiere, Pflanzen und Menschen als Teil eines lebendigen Entfaltungsprozesses gleich wichtig.
In der Wildnis begegnen wir dem Heiligen – atmend, fruchtbar, überbordend, voller Freude und von großzügiger Schönheit. Ein Kosmos voller Wunder – der Wald spricht von nichts anderem. Er ist ein grünes Gebetbuch, erfüllt von fremdartigen Geräuschen und wilden, würzigen Gerüchen.
In der Natur herrscht wahres Leben, jeden Augenblick neu. Keine Spur von Sünde. Hier herrscht wahre Freude, wahre Ekstase, keiner Erlösung bedürftig.
Der Mutterschoß und der Kreis sind lebendig – und Leben kennt keine Trennung von Geist und Materie, erst recht keine Trennung dieser beiden Begriffe in gut und schlecht.
Unser Leben ist beseelt vom Kosmos und ehrt diese Heiligkeit durch sein Dasein und seine bewusste Verwandtschaft mit den anderen Wesen, mit denen es sich diesen Planeten teilt. Alles bildet einen großen Kreis.

 
(c) Erni - fotolia.com
Dieser Kreis ist gegenwärtig im leichten Morgennebel am Flussufer. Er zieht uns in seinen Tanz hinein, wenn wir viel zu früh aufwachen und uns etwas nach draußen lockt. Der Geist noch müde, aber dennoch von einer seltsamen Klarheit erfüllt, die der Stille der frühen Morgenstunden oft zu eigen ist. Der Fluss – glucksend, murmelnd, wispernd, raunend –  unterwegs und doch ganz hier. Unser Blick plötzlich gefangen von einem Juwel in Azurblau und Kastanienbraun, das von einem Ast ins Wasser herabstürzt, die Flügel eng an den Körper gelegt, schnell wie eine Harpune. Wie aus dem Handgelenk der Welt geworfen, eingetaucht, aufgetaucht und zurück auf seiner Warte am Ufer. Nur zwei, drei Sekunden dauert der Beutezug. Ein Augenblick, dem eine besondere, wortlose Poesie innewohnt. Keine Zeit, kein Subjekt oder Objekt, nur die Kühle des Morgens und das Raunen des Flusses. Unser Bewusstsein Beute des Eisvogels. Wir sind nicht mehr außerhalb, kein Beobachter mehr, sondern Teil der Natur, der Fluss und der Vogel Teile unseres Körpers.


Dirk Grosser

Sonntag, 23. März 2014

Über Walt Whitman und die Milchstraße

"Walt Whitman hat seine Empfindungen nicht erfunden, und er war für die Form, in der er seinen Gefühlen Ausdruck verlieh, auch nicht gänzlich verantwortlich. Vielmehr stellen seine Empfindungen eine komplizierte Schöpfung der Milchstraße dar, und seine Gefühle sind eine Beschwörung des Seins, eine Beschwörung, die Gewitterstürme, Sonnenlicht, Gras, Geschichte und Tod umfasst. Walt Whitman ist ein Raum, den die Milchstraße geformt hat, um ihre eigene Herrlichkeit zu spüren."


Thomas Berry und Brian Swimme in: Autobiographie des Universums, Diederichs Verlag 1999. 


Freitag, 14. März 2014

Neues Interview

Julia Weisenberger von "Lazy Literature" hat ein Interview mit mir über Segen, die Spiritualität der kleinen Dinge, die Zusammenarbeit mit Jennie und dem Verlag, Musik und den heiligen Raum geführt... Das war ein schöner Kontakt, der sich auf der ProVego ergeben hat. Das ganze Gespräch findet Ihr HIER.

Montag, 10. März 2014

Flagge zeigen für Tibet!

1949/50 wurde Tibet von China gewaltsam besetzt. Am 10. März 1959 erhob sich das tibetische Volk gegen die Besatzungsmacht. Tausende Tibeter versammelten sich in Lhasa, dem damaligen Regierungssitz des Dalai Lama, um ihr Oberhaupt vor der Gefangennahme zu schützen.
Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen; mindestens 87.000 Tibeter kamen dabei ums Leben. Der Dalai Lama musste ins indische Exil fliehen. 150.000 der 6 Millionen Tibeterinnen und Tibetern leben heute im Exil. Im Gedenken an den Volksaufstand organisieren Tibeter und ihre Unterstützer jedes Jahr am 10. März weltweit Solidaritätsaktionen.

Weitere Infos gibt es hier: www.tibet-flagge.de
Und grundsätzlich kann ich nur jedem die Tibet Initiative Deutschland ans Herz legen.

Donnerstag, 6. März 2014

Kodo Sawaki

Buddhanatur ist nichts Besonderes. Jeder hat sie von Anfang an. Denn jeder einzelne von uns verfügt über seine eigene, wahre Gestalt.

Alles Sein ist Buddhanatur. Geistesfrieden bedeutet, zu erkennen, dass es selbst für den größten Irren unmöglich ist, aus der Buddhanatur herauszupurzeln.

Alles ist ursprünglich ein Produkt der großen Natur. Deshalb können wir sagen, dass jedes einzelne Ding durch die Gnade der Natur besteht. Es ist diese Gnade der Natur, die unser wahres Wesen, unsere eigentliche Lebensweise ausmacht.

Die Berge geizen genauso wenig mit sich wie die Flüsse: Alles gibt sich gegenseitig, ohne sich des Gebens auch nur im Geringsten bewusst zu sein. Das macht die Welt so schön.


Kodo Sawaki
(1880 - 1965)

aus: Zen ist die größte Lüge aller Zeiten, Angkor Verlag

Mittwoch, 5. März 2014

Einander ein Segen sein

(c) Patryk Kosmider - fotolia.com



Mögen unsere Worte Verbindungen sein,
die uns aufrichten, ermutigen und uns Nähe schenken.
Mögen wir einander ein Segen sein.






Wir sind Tag für Tag von Worten umgeben: Wir lesen die Zeitung, hören Nachrichten, unterhalten uns mit unseren Familienmitgliedern, unseren Arbeitskollegen, lesen E-Mails oder chatten mit Menschen am anderen Ende der Welt.
Worte bewegen uns, rühren uns zu Tränen, lassen uns herzhaft lachen, und sie haben auch schon so manche Revolution entfacht. Worte lassen uns reisen: Schon als Kinder machten wir uns auf und wurden durch Worte nach Bullerbü, nach Narnia, ins Auenland, in den Wilden Westen oder gar zu fernen Planeten geführt. Und auch als Erwachsene werden wir in unseren Herzen von so manchem Buch berührt, verbleiben manche Zeilen für immer in unserer Erinnerung. Wer hat nicht schon einmal gedacht, dass dieser oder jener Autor es geschafft hat, die eigenen Gefühle mit seinen Worten besser auszudrücken, als wir selbst es jemals gekonnt hätten?!

Ein ganzes Netz von Worten spannt sich um den Planeten. Es verbindet uns mit anderen Menschen – und je besser die Worte gewählt sind, desto tiefer die Verbindung.
Denn Worte können viel mehr, als bloße Informationen zu transportieren. Ihnen ist die Macht gegeben, sowohl zu verletzen als auch zu heilen. Sie können Menschen aufrichten, das Beste in ihnen hervorbringen, aber genauso niedermachen und tiefe Traurigkeit auslösen. Ein freundliches, aufmunterndes und ermutigendes Wort kann so manchen Tag retten und vielleicht auch darüber hinaus wirken: Ein Funke springt über, getragen von einigen wenigen Worten, die im Angesprochenen eine Anspannung lösen, ein negatives Gefühl relativieren und ein Lächeln hervorbringen, das wiederum seine eigenen Wellen schlägt. Solche Worte sind wahre Segen, sie sprechen von der Wahrheit und bringen die innerste Wahrheit eines Menschen ans Tageslicht.
Im Gegensatz dazu stehen negative, grobe und gedankenlose Worte, die unser Gegenüber verletzen und Gedanken und Gefühle in ihm auslösen, die ihn niederdrücken und es ihm unmöglich machen, seine wahre innere Wahrheit und Schönheit zu leben. Solche Worte sind eher ein Fluch und unterstützen vor allem die negativen Gedanken, die wir ohnehin viel zu oft über uns selbst hegen.

Verletzende Worte trennen uns von der Welt – wir isolieren uns in uns selbst, ziehen uns in unsere eigenen schwarzen Gedanken zurück, schmoren im eigenen Saft.
Segensreiche Worte schaffen dagegen Verbindungen, da sie Menschen öffnen: Wenn wir spüren, dass es uns erlaubt ist, ganz wir selbst zu sein, öffnet sich unser Geist auch für andere und lässt sie sein, wie sie sind. Uns wird bewusst, von welcher Vielzahl an Wundern wir umgeben sind, die ebenso lebendig und wertvoll wie wir in unserer gemeinsamen Welt existieren.

Jeden Tag können wir solche Verbindungen auf ganz einfache und unspektakuläre Weise knüpfen: Ein freundliches Wort zur Kassiererin im Supermarkt, ein Dankeschön für den Postboten oder den Müllmann, ein »Ich liebe dich!« zu unserer Partnerin oder unserem Kind, ein paar wertschätzende Worte über die Arbeit unserer Kollegin, eine Postkarte an einen alten Freund …
Achtsame Worte und schlichte Freundlichkeit erhellen uns selbst und anderen den Tag, schaffen tiefe Verbindungen, überwinden Gefühle des Getrenntseins.
Wenn wir lernen, uns selbst für die Kraft des Segens zu öffnen, diese Kraft durch uns hindurchfließen zu lassen und mit ihr andere in ihrem Innersten zu berühren, bewirken Worte einen wahren Zauber: Dort, wo diese Worte erklingen, dort, wo sie gelesen werden, wird die Welt ein klein wenig heller.
So können wir einander ein Segen sein!






Dieser Text ist ein kurzer Ausschnitt aus unserem neuen Buch:


Jennie Appel & Dirk Grosser
Jedes Wort kann ein Segen sein
Heilsame Segenswünsche selbst verfassen

Mittwoch, 19. Februar 2014

Pro Vego

Am kommenden Wochenende (21. - 23. Februar) findet wieder die Pro Vego statt, die Messe für Gesundheit, Heilung und Ernährung, mit vielen Vorträgen, Informationen und Ausstellern aus dem spirituellen Bereich sowie einem großen Angebot an gutem und gesundem Essen. Ich werde dort ebenfalls einen Stand haben und auch dreimal auf der Bühne zu sehen sein. Hier die genauen Termine:

Freitag, 18.50 Uhr / Vortragszelt
Live Drums: "Tanzende Energie - dynamische Trommeln"

Samstag, 12.40 Uhr / Bühne 2
Vortrag: "Jedes Wort kann ein Segen sein - Die Kunst der Segenswünsche"

Sonntag, 13.30 Uhr / Vortragszelt
Live Drums: "Im Fluss des Tao - meditative Trommeln"

Würde mich sehr freuen, den einen oder anderen von Euch dort zu sehen, Gespräche zu führen, neue Kontakte zu knüpfen und eine gute Zeit miteinander zu haben... 

Messeort: 
Halle am Böllenfalltor
Nieder-Ramstädter-Str.170
64285 Darmstadt


Dienstag, 18. Februar 2014

Meine Top Ten der spirituellen Bücher


Spätestens seit Nick Hornbys „High Fidelity“ liebe ich Listen. Deshalb habe ich mir heute mal erlaubt, meine ganz persönliche (und natürlich völlig subjektive) Top Ten der spirituellen Bücher aufzustellen. Grundlegende Schriften wie das Tao Te King oder das Dhammapada und absolute Klassiker wie Seneca, Thoreau und Emerson habe ich außen vor gelassen und mich nur auf Autoren neueren Datums konzentriert, die meiner Meinung nach in der Lage sind (oder waren), tiefe spirituelle Inhalte in Worten auszudrücken, die diese Inhalte für uns heute zugänglich machen und gangbare Wege aufzeigen. Vielleicht entdeckt der eine oder andere von Euch hier ja ein paar Perlen, die er noch auf seine Wunsch- oder Leseliste setzen möchte…


Brian Swimme
Das Universum ist ein grüner Drache
Ein Dialog über die Schöpfung und die mystische Liebe zum Kosmos
Physik, Mystik, Poesie – ich weiß nicht, wie oft ich dieses Buch schon gelesen habe. Swimme spannt einen Bogen von den Anfängen des Universums bis in unseren heutigen Alltag hinein. Er erzählt von Energie, Verlockung, Verzauberung, von unserem Platz im Kosmos und von einer tiefen Spiritualität, die uns die Einheit mit allem Leben deutlich vor Augen führt. Ein echtes Meisterwerk!

Chögyam Trungpa
Das Buch vom meditativen Leben
Im Original heißt dieses Buch „Shambhala. The Sacred Path of the Warrior“, was den Inhalt weit treffender beschreibt. Trungpas Ideal ist der Krieger, der mit Weisheit die Probleme der Welt überwindet, der das grundlegende Gutsein entdeckt, Hochmut und schlechte Gewohnheiten hinter sich lässt und furchtlos seinen Anteil an einer erleuchteten Gesellschaft leistet. Wie alle Bücher von Trungpa äußerst lesenswert!


Walter Braun
Auf der Suche nach dem perfekten Tag
Das Tao der Zufriedenheit
Glasklar und sprachlich auf den Punkt gebracht, ist dies mein liebstes Buch über den frühen, eher philosophisch als religiös ausgerichteten Taoismus. In unaufgeregter und immer treffender Weise beschreibt Braun die „unverschämtesten Philosophen der Welt“, die nicht in Zivilisation, Kultur und moralischen Lehren das Glück suchten, sondern sich um eine Zufriedenheit kümmerten, die ganz ihrem ursprünglichen Wesen, ihrer wahren Natur entsprang, und die uns auch heute noch viel zu sagen haben.

Bill Plotkin
Natur & Menschenseele
Das Lebensrad und die Mysterien eines seelenzentrierten Erwachsenseins
Ein Buch, für das man eine Menge Zeit mitbringen muss. 590 eng bedruckte Seiten liest man nicht an einem Sonntagnachmittag. Aber die intensive Beschäftigung mit Plotkins faszinierenden Thesen ist mehr als lohnenswert. Er stellt hier eine innovative Entwicklungspsychologie vor und zeigt, wie wir als einzelne Menschen und als Menschheit voll und ganz erwachsen werden können, indem wir uns von unserer Seele und von der Wilden Natur leiten lassen. Mythen, Reifeprozesse, Naturzyklen, soziokulturelle Transformation – ein umfangreiches Werk, das jeden Leser auf eine Reise durch das archaische Lebensrad mitnimmt.

Clark Strand
Einfach meditieren
Übungen für ein gelassenes Leben
Hier lasse ich mal Strand selbst zu Wort kommen: „Gibt es für uns eine Möglichkeit zur Besinnung zu kommen und uns selbst, unser Leben und andere Menschen im gegenwärtigen Augenblick zu erfahren, ohne dafür neue religiöse oder philosophische Ideologien annehmen zu müssen? Kann Meditation außerhalb eines ideologischen Rahmens existieren als etwas, das einfach menschlich ist…?“ Im Laufe des Buches gibt er die überzeugende Antwort, dass dies sehr wohl möglich ist. Hier findet man einen sehr freien und gleichzeitig sehr tiefen spirituellen Weg.  

Richard Rohr
Das Wahre Selbst
Werden, wer wir wirklich sind
Im Grunde kann ich alle Bücher von Richard Rohr empfehlen, doch dieses hat es mir ganz besonders angetan. Der Franziskanerpater Rohr beschreibt hier Spiritualität als Pfad, auf dem wir in den Erfahrungen unseres Lebens unser Wahres Selbst zum Vorschein bringen. Er spricht von der geräumigen Seele, von Intimität mit allem, und von der Überwindung der Trennung vom Einen, die wir uns oft einbilden oder einreden lassen. Ein überaus kluges Buch von einem wahren Weisen unserer Zeit! 

Toni Packer
Mit ganz neuen Augen sehen
Auch von Toni Packer kann ich alle Bücher empfehlen, aber dieses – ihr erstes – hat eine ganz besondere Qualität. Schon die Einführung von Leonore Friedman, die Tonis Weg von einer Zen-Lehrerin zu etwas ganz Eigenem (ja, was eigentlich? Vielleicht eine spirituelle Forscherin?) beschreibt, ist die Lektüre wert. Und dann kommt Toni selbst, mit ihrer unnachahmlichen Art des Dialogs, der die Menschen immer wieder zu genau diesem Augenblick führt und ihn mit ganz neuen Augen sehen lässt. Ein frischer und klarer Geist, der die Essenz des Lebens in jedem Moment offenbart!

David Steindl-Rast
Fülle und Nichts
Von innen her zum Leben erwachen
Ein Buch über das Leben in Fülle, über das Lebendigwerden, das Aufwachen. Inspirierend, tief berührend und sprachlich wunderschön, kann man diesen Klassiker immer und immer wieder lesen. Steindl-Rast lädt ein, das eigene Herz zu öffnen, mystische Erfahrungen zu machen, den eigenen Weg in Staunen und Dankbarkeit zu gehen, und den ganz eigenen Sinn in kontemplativer Weise zu entdecken.


Alan Watts
Zen – Stille des Geistes
Einführung in die Meditation
Alan Watts ist Yoda. Mindestens! (Seine Grammatik ist aber um Längen besser…) Manche beschreiben Watts als ersten echten Zen-Meister des Westens, andere nennen ihn in Hinblick auf seinen unorthodoxen Lebenswandel einen Scharlatan. Für mich ist er ein Heiliger Narr gewesen, der sich selbst nie allzu ernst genommen hat, der Zen-Buddhismus und Taoismus in einer bemerkenswerten Tiefe durchdrungen hat, der ein wirklich meditativer Geist war (trotz aller Drogen und Affären) und der unglaublich gut reden und schreiben konnte. Davon ist dieses Buch ein beeindruckendes Zeugnis!

Stephen Batchelor
Buddhismus für Ungläubige
Muss man an Reinkarnation, Karma und andere östliche Konzepte glauben, um buddhistische Meditation praktizieren zu können? Batchelor macht in diesem Buch klar, dass man keineswegs irgendetwas glauben muss, sondern dass es auch schon dem historischen Buddha nur auf die eigene Erfahrung ankam. Er zeigt hier einen erfreulich agnostischen Ansatz in seiner Auseinandersetzung mit den grundlegenden Texten und Aussagen des Buddhismus, und stellt eine Dharma-Praxis (und keinen neuen Ismus) vor, der einzig darauf abzielt, in authentischer Weise im Hier und Jetzt zu erwachen. 


Freitag, 14. Februar 2014

Tao Drum

Die Weisen des alten Chinas lebten in einem sehr gesunden Gleichgewicht zwischen aktiver Teilhabe an der Welt und meditativer Zurückgezogenheit. Sie gingen erfolgreich ihren Geschäften nach und hatten dennoch die Muße, sich an einen Fluss zu setzen, ein wenig Flöte zu spielen, die Bewegungen des Wassers zu beobachten und den Geräuschen der Natur zu lauschen.

Sie wussten, dass alles, was sie umgab, aus dem Tao geboren war, das alles durchdringt und erhält – jedes Lebewesen, jede Handlung, jeden Ton. Von diesem Geist ist die Musik dieser CD inspiriert…
Das Tao ist der Klang der Stille, aus dem alle Musik wie von selbst auftaucht. In sich leer, und somit voll unendlicher Möglichkeiten der Fülle, liegt es allem zugrunde.

Die Titel dieser CD können einzeln für Meditationen im Sitzen oder Liegen genutzt werden – es können aber auch alle hintereinander für eine lange Meditation gehört werden, wobei diese dann im Liegen begonnen und ab Stück 3 im aufrechten Sitz weitergeführt werden sollte.

Waldkloster und Lichtung führen uns in eine heilsame Ruhe, der Grüne Berg lässt uns tief atmen, während Der Weg und der Donnerdrache uns neue Kraft schenken. So kommen wir nach und nach wieder in unser Gleichgewicht.
Möge die Musik auf dieser CD helfen, in der Ruhe des Tao zu schwimmen, zu fühlen, wie jede Anspannung verschwindet und wie neue Energie erwacht.

Hier eine Hörprobe mit Ausschnitten aller Stücke der CD:


Die CD ist überall im Buchhandel erhältlich oder direkt im
Shop des Schirner-Verlages.
  

Montag, 27. Januar 2014

Krishnamurti: Ein glücklicher Mensch

Ein glücklicher Mensch folgt niemandem.
Nur die Unglücklichen, die Verwirrten,
folgen eifrig anderen, in der Hoffnung, 

bei ihnen Zuflucht zu finden,
aber diese Zuflucht ist ihre Finsternis,
ihr Untergang.
Nur der Mensch, der versucht herauszufinden,
was er selbst ist,
wird die Freiheit kennenlernen
und damit das Glück.


Jiddu Krishnamurti, Freiheit und wahres Glück


Samstag, 25. Januar 2014

Erdtrommel-Rezension & Interview

Darja von "Lesen.Hören.Staunen" hat eine tolle Rezension zu meiner Erdtrommel-CD geschrieben und ein kleines Interview mit mir über das Trommeln, Quellen der Inspiration und zukünftige Projekte geführt...
Den ganzen Artikel findet Ihr HIER

Vielen Dank an Darja!

Montag, 6. Januar 2014

Gebet der Wälder


Im neuen Jahr als erstes Musik: Tony Dekker von den Great Lake Swimmers hat ein Solo-Album mit feinen Akustik-Balladen gemacht. Oben das Video, unten der Text... 


Übrigens ist der Rest der CD auch sehr empfehlenswert!